Der Berner Mattegucker

Mattearzt aus Leidenschaft

65 Jahre auf der Welt
45 Jahre in der Medizin
38 Jahre im Beruf
28 Jahre an der Schifflaube

 

So viele lange Jahre sind noch lange kein Grund aufzuhören. Noldi Durrer feierte am 17. September 2012 seinen 65. Geburtstag. Am 1.6.1984 eröffnete er seine Praxis mit Dr. Peter Weibel zusammen an der Schifflaube 16. Im Jahre 1995 zog Dr. Peter Weibel weiter und Arnold Durrer blieb in der Praxis an der Schifflaube in der Berner Matte.

 

Matte Praxis Dr. Arnold Durrer


Schon damals wusste ich, dass ich eine Praxis in der Matte eröffnen werde


Arnold Durrer zu beschreiben fällt nicht einfach. Wenn er spricht, dann leise und bedächtig. Er betrachtet mich lange mit seinen wachen Augen. Erst, wenn er sicher ist, was er sagen will, antwortet er mir. Er liebt seinen Beruf, er mag Menschen und er mag auch die Matte und das Dorf in der Stadt. Bereits 1974 lebte er eine Zeit lang im Brüggerhaus an der Gerberngasse 1. «Schon damals wusste ich, dass ich eine Praxis in der Matte eröffnen werde. Früher, vor dem Umbau, war in den Räumlichkeiten an der Schifflaube 16 eine Spenglerei untergebracht,.
Arnold Durrer schloss 1974 sein Staatsexamen ab. Danach folgten Weiterbildungen in unterschiedlichen Gebieten in der Medizin. Zunehmend faszinierten ihn die Möglichkeiten der Komplementärmedizin. So bildete er sich in Akupunktur und weiteren alternativen Behandlungsmethoden weiter. «Die klassische Medizin ist Handwerk und mit der komplementär Medizin kann ich das vertiefen», sagt der Mattearzt leise. Er ist mit Leib und Seele Arzt und die Menschen im Quartier gehen gerne zu ihm.


Ich mag mich so, wie ich bin

 

«Wer ist Arnold Durrer?», frage ich spontan. Er weicht mir aus, überlegt lange. «Ich mag mich so, wie ich bin», sagt er kurz. Mehr bekomme ich dazu nicht zu hören. Er redet nicht gerne über sich. Ob dies an der doppelten Jungfrau liegen mag?
«Was würdest du ändern, wenn du könntest?», bohre ich weiter. «Ich möchte etwas spontaner sein, den Jakobsweg wandern oder mit der transsibirischen Eisenbahn, reisen. Wer weiss, vielleicht kommt das ja alles noch.» Für einmal ist ein schmunzeln zu erkennen.
Noldi Durrer hat in der Matte schon zwei Hochwasser «überlebt». Im 2005 ging es tatsächlich um seine Existenz und er wusste nicht, ob er die Praxis nochmals eröffnen würde. Doch sein Team drängte ihn weiterzumachen. «Niemand wollte aufgeben, keiner wollte aus der Praxis. So war es für mich gleich klar, dass wir nochmals beginnen und den Betrieb fortführen werden.»
«Und bei einem weiteren Hochwasser?»


Wenn jeweils das Warn-SMS vom Wetterdienst kommt, dann steigt mein Blutdruck

 

«Hmm … schwierig zu beantworten, aber ich denke eher nein», sagt er sanft «Ich mag diesen Standort hier an der Schifflaube sehr gerne, denn ich bin schnell im Freien und kann mir meine Füsse vertreten. Manchmal gehe ich nur mit einem Brief auf die Post, damit ich etwas frische Luft bekomme.» Arnold Durrer mag nicht daran denken, was er bei einem weiteren Hochwasser wirklich tun müsste, wie viele hier in der Matte. «Wenn jeweils das Warn-SMS vom Wetterdienst kommt, dann steigt mein Blutdruck.» Er lächelt.
«Wie lange möchtest du eigentlich noch als Arzt tätig sein?»
«So etwa fünf Jahre, aber man weiss ja nie, was geschieht.» Seit 2011 unterstützt ihn Frau Dr. med. Friedburg Scheer in der Praxis. «Klar, wäre ich froh, wenn die Praxisgruppe Schifflaube weiter bestehen würde, auch wenn ich mal nicht mehr in der Praxis bin. Es ist gar nicht so einfach geeignete Nachfolger in eine Hausarztpraxis zu finden. Der Hausarzt ist der Fachmann zur Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge von allen Gesundheitsstörungen oder Erkrankungen. Hausarzt als solches ist nicht mehr gefragt. Alle wollen sie Spezialisten sein und durch die Kostenexplosion ist es natürlich auch wirtschaftlich immer wieder eine Frage der Existenz. «Nein, Noldi Durrer ist nicht verbittert, er stellt sachlich fest, dass sich in den letzten Jahren vieles verändert hat.
«Was zeichnet dich als Arzt aus?», frage ich weiter.
«Ich bin professionell, mag schwierige Situation und komplizierte Fälle. Ich kenne meine Grenzen. Das heisst, dass ich im richtigen Moment, die Menschen auch an die Spezialisten überweise. Ich möchte ganzheitlich behandeln, aber wenn zum Beispiel jemand ein defektes Knie hat, dann fackle ich nicht lange und überweise den Patienten sofort weiter.»
Unsere Zeit ist schon um, der nächste Patient wartet. Schön zu wissen, dass der «Mattearzt» zwar pensioniert, aber nach wie vor an der Schifflaube 16 in der Praxisgemeinschaft weitermachen wird.
Ich verabschiede mich von Arnold Durrer und eile durch die Schifflaube an die Badgasse zurück. Das Gespräch hallt in meinen Ohren nach – doch, wer ist Dr. Arnold Durrer wirklich?


Herzlichen Dank für das Gespräch.