Der Berner Mattegucker

Bernhard Bürkli – der neue Matte-Leistpräsident

Bärni BürkliBernhard «Bärni» Bürkli muss man im Quartier nicht mehr gross vorstellen, denn er lebt und arbeitet schon seit vielen Jahren im Mattequartier. Wenn der Hüne mir dem grauen Helm aus den fünfziger Jahren auf seiner Honda durch die Matte braust, dann wird er gesehen und auch gehört. Oft sitzt er im Ligu Lehm und lauscht den Geschichten seiner Mitmenschen. Bärni ist am 16.2.1963 im Zeichen Wassermann geboren und von den Wassermännern sagt man, dass sie Querköpfe seien. Wie weit diese Aussage auf Bärni Bürkli zutrifft, kann der Mattegucker nicht beurteilen.
Früher arbeitete Bärni als «Stromer» in der Firma Lelli & Bürkli. Im 2000 trat er aus der Firma aus und wurde «Drogendealer», wie er selbst sagt.
«Drogendealer?», frage ich erstaunt.
«Ich handle mit der Sucht des Sammlers, denn Sammler müssen bestimmte Sachen haben und ich handle mit gesuchten Gegenständen, die für die meisten Sammler erschwinglich sind. Also in einem finanziellen Rahmen, der berechenbar ist. Ich bin Kleinantiquar immer auf der Jagd nach schönen Gegenständen, bei Händlern, auf Märiten und überall. Alles was ich im Laufe der Woche gesammelt habe wird am Sonntag fotografiert und aufs Internet gestellt, sodass die Leute meine «Beute» auf Ricardo oder eBay kaufen können. Oder natürlich auch auf dem Flohmärit auf dem Mühlenplatz. Ich bezeichne mich als «Mischler» und mit diesem Business kann ich leben, reich hingegen werde ich nicht damit», lacht er.
Sein Lachen ist herzlich und seine Augen blitzen, wenn er von seiner Sammlerleidenschaft erzählt.
«Ich bin Sammler und Jäger und wenn du einmal mit dieser Leidenschaft begonnen hast, dann kommst du nicht mehr los, eben «Drogendealer».
Bärni ist Vater von drei Söhnen (Zwillinge 20 und Fabian 18), die vier Männer haben einen guten Zusammenhalt untereinander, alle leben in Bern. Seit 2001 ist er in zweiter Ehe mit seiner Barbara verheiratet, die als Berufsbildnerin und Therapeutin arbeitet. Sie wohnen mit drei Katzen in der Liegenschaft der Firma Ammann.
Was gefällt dir in der Matte?
Er überlegt lange «Die Menschen, das Wasser der Aare, das Dorf, das Starrsinnige, das Lebendige, das Ungewöhnliche, das Gewöhnliche, das Dorf in der Stadt und die Eigenständigkeit der Mätteler. Die Matte ist begrenzt durch Junkere und Aare und es ist wirklich ein Dorf», sagt er nachdrücklich.
«Und hier wird man viel mehr konfrontiert mit den unterschiedlichsten Menschen, denen man oft nicht ausweichen kann, weil man sich eben kennt», meint er dezidiert.
Bärni ist ein Mensch, der sagt, was er denkt und dies möchte er auch beibehalten. «Ich möchte meine Meinung kundtun und der andere soll dies ebenfalls können. Und wenn jemand eine andere Meinung hat, soll man fähig sein darüber zu reden. Wenn es aber zu persönlich wird, dann wird es für mich schwierig, dann kann ich es oft nicht einordnen. Klar bin ich manchmal auch verletzend, weil ich so direkt bin.» Bärni redet sich in Fahrt.
«Es gibt nicht Pollergegner oder Pollerbefürworter, finde ich. So werden Menschen auf ein Thema reduziert und schubladisiert. Es soll weiter gedacht werden und die Gesamtsituation betrachtet werden, so denke ich, dass verschiedene Meinungen eine bessere Chance nach Lösung finden.»
«Was möchtest du als Leistpräsident von der Matte?»
«Gerne möchte ich ein Dienstfahrzeug, eine Chauffeuse, eine Dienstwohnung mit Sicht auf die Aare, wöchentliche Kaffeeration in verschiedenen Mattebeizen …» Wir lachen schallend.
«Nun aber doch ernsthaft: Ich möchte die verhärteten Strukturen aufweichen, Brücken bauen. Mein Ziel ist es, die verschiedenen «Parteien» zusammen zu bringen und gemeinsam an einen Tisch zu sitzen. Es geht nicht gegen Poller oder für Poller oder für Mauer oder gegen Stollen. Es geht darum die beste Lösung zu finden.»
«Was würdest du als deine Stärke bezeichnen?»
«Ich höre gerne zu und bin jeweils gespannt, was alles gesprochen wird. Ich höre gerne Geschichten von Menschen, die eine andere Meinung haben als ich. Ich bin humorvoll, konsensfähig und direkt, manchmal bin ich auch chaotisch, da kannst du Barbara fragen», meint er lachend. «Aber eben als Sammler brauche ich einfach ein bisschen mehr Platz», entschuldigt er sich.
«Was hat sich seit dem März 2010 verändert?»
«Es ist nun eine andere Ausgangssituation seit März. Es geht nicht mehr darum, der eine gegen den andern. Es geht nicht um Grabenkämpfe, denn schlussendlich steht im Leist die Matte im Vordergrund. Mein Ziel ist es, die verschiedenen Interessen zu verbinden und jeder soll seinen Platz haben und seine Persönlichkeit in den Leist einbringen können. So kann es funktionieren, aber wir werden sehen.» Wieder lacht er sein verschmitztes Lächeln.
«Was versprichst du dir in Zusammenarbeit mit der Stadt?»
«Dass es mit dem jetzigen Vorstand möglich sein wird, gegen oben sich einstimmig zu positionieren, also auch einen Konsens zu finden. Für mich ist es auch wichtig, dass Gespräche stattfinden werden, die zum Wohle aller sein werden.»
«Was wünscht du dir von den Mattebewohnern als Leistpräsident?»
«Unterschiedliche Standpunkte sollen Platz haben und es geht darum nicht abzuwerten oder andere Anschauungen zu vernichten. Es soll eine Gemeinschaft geschaffen werden und nicht der Leist gegen die Bevölkerung und die Bevölkerung gegen den Leist. Und wenn einer eine Idee hat oder mit etwas nicht zufrieden ist, sind wir vom Leist da und in gemeinsamen Gesprächen können Lösungen gesucht werden. Wenn der andere aber die Faust im Sack macht, dann wird es schwierig.»
Was ist dein Ziel als Leistpräsident?»
«Was die Matte ausmacht, diese wieder in den Vordergrund zu bringen. Mit gegenseitigem Respekt sollte es wirklich möglich sein, die Position gegenüber der Stadt wieder stärken.
Bernhard «Bärni» Bürkli ist bestrebt mit dem neu zusammengestellten Matte-Leist-Vorstand das Beste fürs Quartier zu erreichen und seine Aufgabe nimmt er ernst. Ich wünsche Bärni alles Gute für seine Arbeit im Leist und ich wünsche ihm viele schöne Sammlerstücke, die er erfolgreich an den Mann und die Frau bringen kann.
Bärni verlässt die «Redaktion vom Mattegucker», zieht sich seinen grauen Helm an und braust mit seiner Honda davon, Richtung Mühlenplatz.

Rosmarie Bernasconi