Der Berner Mattegucker

Ach Marianne...

Kürzlich hat sie mich eingeladen. Marianne, meine Angebetete aus der Schulzeit. Gemeinsam haben wir diese im «Bieler Affenkasten» absolviert. Sie als attraktive Gymi-Schülerin, ich als schlacksiger, mächtig pubertierender Prögeler. Wenn Marianne durch die Korridore schritt, kokett, geschmeidig, in den Hüften wiegend, knisterte es förmlich bei uns Jungspunden. Unsere Balzversuche endeten indes meist kläglich. Oswald Kolle hatte uns noch nicht erreicht.
Mithin kaum aufgeklärt, mit eher dürftiger Ahnung vom Umgang mit dem anderen Geschlecht, zeichneten wir bei jeder Gelegenheit weibliche Rundungen an die Wandtafel. Als der Klassenlehrer dies genervt dem Rektor meldete, gabs einen Brief an die Eltern, den wir gleichentags in einen Abfallkübel stopften. Alsdann verlegten wir unseren pubertären Tatendrang auf die Velos der Gymi-Damen. Konkret auf die Velosättel. Wer anhand des Sattelgeruchs herausfand, welches Velo zu welcher Dame gehörte, hatte gewonnen. Ein erotisierender Wettbewerb, den wir wohlig-schaudernd genossen. Ein richtiger Tipp: 20 Rappen. Zwei richtige: 50 Rappen. Wer drei erreichte, hätte einen Franken kassieren können. Doch den Dreier schaffte keiner. Den Auszahlungstopf hatten jeweils die Verlierer zu alimentieren.
Wochenlang gelang mir kein einziger Treffer. Ich war einer der Haupt-Geldlieferanten. Doch dann änderte sich dies schlagartig. Die hübsche Marianne verstauchte sich nämlich beim Reckturnen den Fuss und ich durfte sie in die Garderobe schleppen helfen. Kurz allein, kam es zum ersten Kuss. Gefolgt von einem petingähnlichen Kuschelschmurg. Sie roch stark nach Minze, die Marianne. Und zwar am ganzen Körper. Das müsste doch eigentlich beim Sattelspiel hilfreich sein, dachte ich beim schüchternen Ertasten von Mariannes Rundungen. Ich testete die Sache und gewann von da ab regelmässig mindestens 20 Rappen.
Soweit, so gut. Wir wurden kein Paar. Unsere Wege trennten sich. Sie studierte Jus und ich wurde Journalist. Anlässlich des eingangs erwähnten Treffens, hatten wir uns demzufolge viel zu erzählen. Sie, mehrfache Grossmutter, ich, mehrfacher Grossvater. Es wurde ein wunderschöner Abend. Dann, so um Mitternacht, wollte ich Marianne unsere seinerzeitigen pubertären Spiele beichten. Sie unterbrach mich lachend und sagte: «Das haben wir Gymi-Mädels doch alle gewusst. Du hast übrigens nur gewonnen, weil ich meinen Velosattel jeden Tag mit Minze eingerieben habe…» .
Raffiniert…!... Ach Marianne, ich lieb dich noch heute!

Hans Häusler