Der Berner Mattegucker

Dr. Philippe Daniel Ledermann, der Autor

Daniel LedermannEs ist ein grauer Novembernachmittag, als ich mich auf den Weg quer durch die Matte an den Nydeggstalden, zu Herrn Dr. Philippe Daniel Ledermann mache. Ich habe «PDL» letzten Sommer in meinem Buchladen kennengelernt, wo er mir die Flyer für die Buchpremiere für sein drittes Buch in die Hände drückte.
Nun stehe ich also am Nydeggstalden 2, am Eingang zur Matte, und habe keine Ahnung was mich erwartet. Ich bin gespannt auf den Menschen Philippe Daniel Ledermann. Ich drücke auf die Klingel. «Kommen Sie rein und warten Sie im Eingangsbereich, ich komme gleich, bin noch am Telefon», höre ich seine Stimme durch die Gegensprechanlage. Da stehe ich nun im grosszügigen Entree. Ich betrachte die vielen Bilder an der Wand und die unzähligen Nippes.
«Das muss ein Löwe sein», denke ich für mich. Ich muss nicht lange warten, bis ich nach oben gebeten werde. Ich begrüsse auch Frau Marina Ledermann, die mich ihrerseits herzlich willkommen heisst.
«Setzen Sie sich hier hin, dann haben Sie den Ausblick auf die Aare und die Untertorbrücke», fordert mich «PDL» höflich aber bestimmt auf.
«Sind Sie ein Löwe?», frage ich noch, bevor wir mit unserem Interview beginnen.
«Ja, ich bin am 1.8.1944 in Genf geboren.» Seine Frau, die sich zu uns gesetzt hat, schmunzelt. «Wir ergänzen uns gut, denn wissen Sie meine Frau ist Krebs. Ich bin ein Egoist und sie Altruistin», sagt er augenzwinkernd. «Ich bin ein Choleriker und dies wird sich wohl in meinem Leben nicht mehr ändern», sagt er energisch. Philippe Daniel Ledermann hat viel erreicht in seinem Leben und dennoch strebt er weiter nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Er, der international renommierte Berner Zahnimplantologe und Oralchirurge, sucht in seinem Leben oft nach neuen Herausforderungen. Seine Hartnäckigkeit brachte ihm trotz vielen äusseren Widrigkeiten den anvisierten Erfolg. Überhaupt scheint «PDL» ein Mensch zu sein, der sich am stärksten fühlt, wenn er gefordert ist.
«Das Beste, was mir im Leben geschah ist, dass ich meine Frau Marina 1967 kennenlernte», sagt er unvermittelt. «1968 haben wir geheiratet und 1969 kam unsere Tochter zur Welt. Kurz bevor ich meine Frau traf, hatte ich eine Lebenskrise. Die Frage nach meinen richtigen Eltern war für mich ein zentrales Thema und immer wieder forschte ich nach ihnen. Obwohl ich gute Adoptiveltern hatte, war es für mich wichtig, meine Wurzeln zu kennen. Ich fand meine Mutter, sah sie ein einziges Mal und zwei Monate später starb sie. Mein Vater …», er bricht ab. «Aber lesen Sie die Bücher.» Mir schien, als dass es für ihn nach wie vor nicht ganz einfach ist an seinen leiblichen Vater erinnert zu werden. Ich frage nicht weiter nach.

«PDL» wuchs in Meiringen in einer Handwerkerfamilie auf. «Als sie mich adoptierten, waren das eben meine «Papiereltern.» Dies ist auch der Titel seiner Romane, die in den letzten zehn Jahren erschienen sind. Mit «Papiereltern – Frühling» begann seine Geschichte, dem «Papiereltern –Sommer» folgte. Im Oktober 2011 ist nun auch sein dritter Roman «Papiereltern – Herbst» erschienen. Der Winter wird nach seinen Aussagen in gut einem Jahr erscheinen.
«PDL» ist ein hervorragender Geschichtenerzähler. Dabei kommt er oft auf seine Bücher zurück, die ab sofort auf meiner Leseliste stehen..
 Seine Frau hat sich in der Zwischenzeit in den zweiten Stock verzogen und hat uns alleine gelassen.

Als «PDL» 2006 wegen eines Handleidens seine Praxis seinem Nachfolger abgeben musste und sich pensionierte, dauerte sein Ruhestand genau zwei Monate. «Am Anfang fand ich das toll, ausschlafen zu können, in den Tag hineinleben und keine Verpflichtungen zu haben, aber glauben Sie mir, es wurde mir schnell langweilig. So erstanden wir 2007 die Liegenschaft Sternen Köniz und renovierten das Hotel und den Landgasthof.»
«Was war eigentlich ihr persönliches Highlight im 2011?», frage ich ihn unvermittelt. «Dass es meiner Frau wieder besser geht», kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Wissen Sie meine Frau ist für mich sehr wichtig und wenn es ihr gut geht, dann geht es mir auch gut.» Philippe Daniel Ledermann ist still geworden. Für einen kurzen Moment ist nichts vom imposanten Löwemenschen zu spüren. Er betrachtet mich nachdenklich, denn eine solche Frage hat er nicht erwartet.
«Und was ist ihr Wunsch für 2012?» «Dass meine Frau und ich gesund bleiben und natürlich auch, dass mein Roman «Papiereltern – Herbst» ein Erfolg wird.
Inzwischen ist es dunkel geworden, die Zeit verinnt uns zwischen den Fingern. Marina Ledermann hat sich still wieder zu uns an den Tisch gesetzt. «Wie lange habt ihr noch?», fragt sie sanft.
«Nicht mehr lange, ich muss nur noch zwei, drei Fragen zur Matte stellen», lache ich
Was würden Sie in der Matte verändern, wenn Sie bestimmen könnten?»
«Das ist eine einfache Frage. Als Erstes muss unbedingt die Linie 30 auch am Tag durch die Matte fahren. Es hat so viele ältere Menschen, die nicht bis zum Mattelift pilgern, den Nydeggstalden oder den Klösterlistutz hinauf marschieren können. Dies ist wirklich zwingend», betont er nachdrücklich.
«Dann könnte ich mir auch vorstellen, dass eine Einbahn durch die Matte viel zur Verkehrsberuhigung beitragen würde und wir hätten etwas mehr Luft in der Matte.»
«PDL» sprudelt. «Und ich gehe übrigens gerne im Quartier einkaufen und bin froh, wenn ich den einen oder andern in den Läden in der Matte unterstützen kann. Ich finde das Quartier wirklich schön. Über das Hochwasser müssen wir gar nicht reden, das ist eine leidige Sache», meint er noch zum Abschluss unseres Gespräches. Marina Ledermann wirft ihm immer wieder Blicke zu. «Wissen Sie wir haben noch eine Verabredung», sagt sie fast entschuldigend. «Wir sind fertig, nur noch zwei drei Bilder muss ich machen und dann ist alles klar. Schlussendlich kann man ihre autobiografischen Romane lesen», scherze ich.

«PDL» setzt sich in Szene, und als er merkt, dass es mir nicht auf Anhieb gelingt, das Blitzgerät auf die Kamera zu schrauben. «Kommen Sie, geben Sie die Kamera einem Mechaniker in die Hände.» Wir lachen beide. Ich verabschiede mich. Nachdenklich bummle ich durch die Matte zurück an die Schifflaube. Ich werde mir seine Bücher zu Gemüte führen, denn ich finde Philippe Daniel Ledermann einen spannenden Menschen und seine Biografie interessiert mich, denn sie ist von Licht und Schatten geprägt.

Rosmarie Bernasconi

www.papiereltern.ch