Der Berner Mattegucker

Fredi Stettler – ein «Theaterverrückter»

Fredi StettlerFredi Stettler ist mir erstmals aufgefallen, als er im Theater Gurten im Stück «von Mäuse und Menschen» im 2008, den Lennie spielte. Eine eindrücklich interpretierte Rolle, wie ich fand. Im 2010 bin ich Fredi im Theater Matte wieder begegnet. Ich war zu einem Interviewtermin verabredet und begegnete Fredi, der sass auf dem Boden im Keller des Theaters und sortierte in aller Ruhe Schrauben aus. Es war in der hektischen Zeit kurz vor der Eröffnung in der Mattenenge 1 im Berchtoldhaus.
Nun haben wir uns zum Interview an der Schifflaube 26 verabredet. Fredi kommt zwischen zwei Terminen, nämlich dem Arbeiten und der Probe am Abend. Die kurze Zeit nutzt er, um mir Red und Antwort zu stehen.
Fredi ist am 6. November 1965 in Spiez geboren lebt seit 1989 in Bern. Sein ursprünglicher Beruf als Schreiner und Innenausbauzeichner ist ihm heute noch sehr hilfreich obwohl er beruflich nicht mehr in seinem ursprünglichen Beruf arbeitet.
«Was arbeitest du eigentlich?», will ich wissen. «Mich kann man schlecht einordnen, eigentlich arbeite ich beim Tiefbauamt des Kantons Bern als Allrounder.» Fredi ist dafür zuständig, dass die Velowanderrouten (http://www.veloinventar.bve.be.ch/velowandern/) im Kanton richtig beschildert sind. Er fährt diese jeweils zwei Mal im Jahr ab. Im Frühling und im Herbst. «So weiss ich auch, dass die Routen in Ordnung sind und wenn etwas nicht funktioniert, dann behebe ich die Mängel.»
Nebst seinem Job ist er zuständig für die Bühnenbilder, in denen er manchmal selber gleich auf der Bühne mitspielt. «Das ist das Grösste für mich, wenn ich auf meiner eigenen gebauten Bühne stehen kann, das macht mich stolz.» Er schaut mich aus seinen grossen Augen lachend an.
Fredi ist Theatermensch durch und durch. So erstaunt es nicht, dass er schon vor seiner Zeit am Theater Matte an andern Bühnen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stand. Er spielte im Theaterverein Bärner Zibele, den es leider nicht mehr gibt, war bei der Remise Bühni Jegenstorf, als Schauspieler und Präsident. Im Freilichttheater Moosegg hat er während vier Jahren das jeweilige Bühnenbild gebaut. In dieser Zeit lernte er Livia Ann Richard kennen. Sie nahm ihn gleich mit zum Theater Gurten. Seine Traumrolle fand er, wie er selber sagt, als Lennie in «von Mäusen und Menschen» . «Und jetzt habe ich das Theater in der Matte vor der Türe und das finde ich toll.»
Fredi ist ein harmonischer und ausgeglichener Mensch. Seine Augen, seine Hände sind in Bewegung, wenn er spricht. «Kannst du eigentlich ärgerlich oder böse werden?», frage ich ihn direkt. Er schaut mich spitzbübisch grinsend an. «Nein, wieso sollte ich auch. Es gibt für alles eine Lösung.» «Kannst du gut nein, sagen?», will ich weiter wissen. Wieder kommt ein spontanes «Nein. Ich sage erst nein, wenn ich merke, dass etwas tatsächlich nicht geht. Solange ich einen Weg und eine Lösung sehe, sehe ich keinen Grund etwas abzulehnen und für mich ist es auch eine Herausforderung etwas auszuprobieren.»
«Wie würdest du dich beschreiben?» Ich bin gross und lieb und ich mag mich so wie ich bin», sagt er selbstsicher und ich glaube ihm das auch. Fredi kann man nicht aus der Ruhe bringen – ausser wenn Doppelspurigkeiten laufen und die linke Hand nicht weiss, was die rechte macht. Oder aber auch, wenn er merkt, Probepläne wurden erstellt, ohne Berücksichtigung der benötigten Zeit für das Bühnenbild zu bauen. «Im nächsten Jahr werden zuerst die Baudaten und dann die Probedaten festgelegt», sagt er dezidiert. «Wieso ist das nicht normal so?» Ja eigentlich ist das normal aber manchmal eben nicht.» Wieder schaut er mich lächelnd an.
Fredi ist in einer Beziehung mit Sibylle Wenger und dies bereits seit fast 20 Jahren. Sibylle spielt wie er Theater. «Ich spiele gerne mit ihr zusammen und finde dies schön.»
«Lebt ihr zusammen?», frage ich vorwitzig. «Nein und das ist gut so. Ich bin gerne mit ihr zusammen und ich geniesse dies auch. Wir gehen auch miteinander in die Ferien, aber wenn wir nach Bern zurückkommen, fährt sie mit Bus Nr. 10 und ich mit Bus Nr. 12 nach Hause.»  «Das ist vielleicht auch das Erfolgsrezept eurer Beziehung wende ich ein.» « Ja, ganz sicher sogar. Es macht mir nichts aus, alleine zu leben, denn diese Lebensform gefällt uns beiden», erklärt er mir.
Fredi ist mit Beruf und Theater voll ausgelastet, sodass nicht mehr viel Zeit für anderes übrig bleibt. Er opfert auch einen grossen Teil seiner Ferien und seiner Freizeit für das Theater. «Badeferien sind nichts für mich, das wäre mir viel zu langweilig, aber in die Natur z.B. nach Norwegen und Schweden zum Fischen da würde ich sofort hingehen. Auch Berlin gefällt mir sehr», ergänzt er.
«Was war dein Highlight im 2011?»
Er schaut mich lachend an und seine Augen leuchten. «Es ist etwas ganz Banales und für mich ein Erfolgserlebnis. Ich bin in der Quizshow «der Bäsefräser» auf DRS 3 telefonisch durchgekommen. Die haben jemanden gesucht, der jeden Tag eine Eiscreme isst. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt an einer solchen Aktion teilnahm.» Er lacht schelmisch. «Es ist wirklich so: Ich esse jeden Tag ein Eiscreme. Ein weiteres Highlight war für mich auch, als ich mit Markus Maria Enggist und Hank Shizzoe im Frühling im Stück «Butterbrot» das erste Mal auf einer meiner gebauten Bühne stehen durfte.
«Was wünscht du dir fürs 2012?»
«Ich möchte meinen Kamin im Garten benutzen und etwas mehr zu Hause sein, denn dies habe ich im 2011 tatsächlich vermisst.»
Unsere Zeit ist um und Fredi nimmt seine Jacke vom Bügel. Hängt seine Tasche über die Schultern und eilt zur Probe ins Theater Matte.