Der Berner Mattegucker

Das Mattequartier und meine Bücher

oder die Spur führt in die Matte

Meine erste bewusste Begegnung mit der Matte liegt mehr als zwanzig Jahre zurück. Ich war auf der Suche nach einem Trainingsort, an dem es um die Gesundheit und nicht um den perfekten Körper geht, und mir wurde das Gesundheitszentrum Dinamo an der Wasserwerkgasse empfohlen. «Bis zur Haltestelle Nydegg musst du fahren, dann rechts eine etwas muffige, unheimliche Treppe hinunter in die Matte und dann rechts durch einen Torbogen», beschrieb mir die Freundin den Weg.

Diese Treppe, die Nydeggtreppe, wurde mir mit den Jahren immer sympathischer.

Natürlich ist der Einstieg oben wenig einladend. Aber die alten, knarrenden Stufen und besonders der Schattenwurf des Geländers am Morgen, machen sie zu etwas Besonderem. Störend empfand ich aber, dass immer wieder Abfall in der schönen Wiese neben der Treppe lag. Dosen, PET-Flaschen, Taschentücher, Kleidungsstücke und einmal lag da sogar wochenlang ein rotes Velo. Keinen Menschen schien das zu kümmern und so fragte ich mich: «Was, wenn da ein toter Mensch läge?» So war die Idee zu „Alte Freunde“ geboren und ich hatte in der Folge interessante Gespräche mit Menschen, die ich auf der Treppe antraf. Unter anderen ein Mitarbeiter der Strassenreinigung, der vehement jede Verantwortung für die Wiese ablehnte oder ein Anwohner, der mir eines Morgens verschlafen erklärte, für die Wiese sei die Stadtgärtnerei zuständig.
Als mein Krimi schliesslich gedruckt war – auf dem Titelbild die Nydeggtreppe! - bot ich ihn selbstverständlich auch im Buchladen Einfach Lesen, damals noch an der Badgasse, an und lernte mit Rosmarie Bernasconi eine engagierte Buchhändlerin und Verlegerin kennen. Zu meiner Freude wurde ich zu einigen Krimilesungen im Stiftsgarten eingeladen und besuchte auch als Gast immer wieder Veranstaltungen in der Reihe „Literatur im Stiftsgarten“.

Regine Frei Nydeggtreppe

So war es eigentlich ganz logisch, dass ich bei der Planung eines „Kräutertee-Krimis“ an den Stiftsgarten dachte.

Die Leiterin, Angela Losert, war damit einverstanden, dass ihre grüne Oase am Fuss der Münsterplattform in „Letzte Nachricht“ eine Rolle spielen würde. Im Laufe der Ermittlungen führt also eine Spur ins Mattequartier. Die Gärtnerin beantwortet die Fragen der Fahnderin, zeigt ihr die Giftpflanzen in ihrem Garten und bietet ihr vom selbstgemachten Sirup an. Bemerkenswert ist an diesem Buch auch, dass es in der Matte verlegt wurde. Als mich meine bisherige Druckerei und Auslieferung Anfang 2020 im Stich liess, sprang Rosmarie Bernasconi spontan ein, übernahm die Auslieferung meiner Bücher und gab mitten in der Pandemie mutig meinen neuen Krimi heraus. Das Dinamo wurde leider Ende letzten Jahres geschlossen. Zum Training kann ich nicht mehr in die Matte kommen, aber ein Spaziergang an der Aare und ein Besuch im Buchladen Einfach Lesen gehören weiterhin dazu. Und wer weiss, vielleicht
spielt dieses schöne Quartier eines Tages wieder eine Rolle in einem meiner Bücher? Ich halte die Augen offen!

Regine Frei, Autorin und Buchhändlerin
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