Der Berner Mattegucker

Andrea Kägi, Co-Schulleiterin in der Matte

Andrea Kägi

Andrea Kägi wurde am 11. Dezember 1987 in Belp geboren und ist mit ihrem jüngeren Bruder im ländlichen Konolfingen, in einer behüteten Familie, aufgewachsen.
Sie ist gross, unübersehbar. Tritt sie ein, erfüllt sofort eine positive Aura den Raum. In dem Fall den Buchladen Einfach Lesen an der Schifflaube. Wir machen es uns gemütlich.
Seit August 2018 ist Andrea Co-Schulleiterin im Schulstandort Altstadt-Schosshalde, gemeinsam mit Urs Schenk.
«Am Anfang war mir noch nicht ganz klar, wo im Standort mein Tätigkeitsbereich liegen wird. Jetzt freue ich mich natürlich, dass ich hier in der Matte die Schule betreuen darf.»
Andrea ist nicht nur für die Matteschulen zuständig, sondern auch für die Kindergärten, die zum Schulstandort gehören: Fricktreppe, Altenberg, Baumgarten I+II, Haspelweg I+II und Kleine Allmend.

«Warst du eine gute Schülerin?»

«Ja – bis auf Mathe, da hätte ich vielleicht ein bisschen mehr lernen sollen», lacht sie.
«Und bist du gerne in die Schule gegangen?»
«Mir hat die Schule Spass gemacht, ich hatte immer
tolle Lehrer und einen guten Klassenzusammenhalt. Meine beiden Tanten sind Lehrerinnen, und auch meine Grossmutter war Lehrerin, ich bin also vorbelastet. Allerdings habe ich nicht den direkten Weg ins Lehreramt beschritten. Das Bedürfnis, Kinder zu unterrichten, kam erst später. Vorher besuchte ich die Handelsmittelschule in Thun und arbeitete in der Informatik bei der SBB. Dort betreute ich Praktikantinnen und Praktikanten. Es machte mir grosse Freude, mit Menschen zu arbeiten und ihnen etwas beizubringen.»
«Also hast du dein Studium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht?», frage ich nach.
«Ja, erst mit 21 habe ich mich entschieden, den Vorkurs der Pädagogischen Hochschule Bern zu absolvieren und die Ausbildung zur Lehrerin abzuschliessen. Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern voll unterstützten und ich das Studium innerhalb von drei Jahren beenden konnte. Ich bin beiden dankbar, dass sie mir dies ermöglicht haben. Jetzt bin ich mitten in der Ausbildung zur Schulleiterin und habe das Privileg, schon jetzt als Co-Schulleiterin zu arbeiten.»

«Wer ist Andrea?»

«Ich bin ein positiv denkender Mensch und habe Freude am Leben. Mir sind Familie und Freunde wichtig. Ich scheue auch nicht, Verantwortung zu übernehmen.»
Andrea lebt in Gerzensee. Sie sagt: «Meine Familie und meine Freunde leben in Bern und Thun, und Gerzensee ist ziemlich in der Mitte, so kann ich gut mit ihnen in Verbindung bleiben. So sieht man mich zwischen Thun und Bern hin und her pendeln. Ab und zu fliege ich nach London, die Stadt ist mir zur zweiten Heimat geworden. Ich war 2015 zwei Monate in einer Gastfamilie und fühlte mich sofort wie zu Hause. Seither ist es mir ein Bedürfnis, auch mit ihnen in Kontakt zu bleiben.»
Während Andrea mir von London erzählt, leuchten ihre Augen. Ich habe den Eindruck, dass sie am liebsten in das nächste Flugzeug steigen würde, um in ihre Lieblingsstadt zu fliegen.
«Könntest du denn in London leben?», will ich wissen.
«Tja», lächelt sie. Dann wird sie wieder ernst: «Ich mag meinen Beruf und ich mag es, hier zu sein.»
«Vermisst du es nicht, als Klassenlehrerin zu arbeiten?» «Ich habe es sehr genossen, als Lehrerin zu arbeiten. Die Beziehungsebene mit den Kindern ist mir nach wie vor wichtig.
Als Schulleiterin hat sich das nun ein bisschen geän
dert. Ich arbeite mit der Lehrerschaft, Behörden, in Gremien und Projekten. Nach wie vor bin ich in Beziehungen mit Menschen und auch mit den Kindern. Unterricht zu geben und Schulleitung sind halt schon zwei unterschiedliche Geschichten. Mir gefällt meine Arbeit - es ist kein 08:15- Job. Ich kann viel von mir einbringen. Klar, gibt es manchmal Sitzungen, die nicht so spannend sind, aber das gibt es ja überall», sagt sie verschmitzt.

«Mit 32 Jahren schon Co-Schulleiterin zu sein ist doch schon eine beachtliche Leistung.»

«Die Gelegenheit hat mich selbst etwas überrascht. Erst bei der dritten Ausschreibung (die vorherigen waren leider erfolglos) habe ich mich ernsthaft damit auseinandergesetzt und im Kollegenkreis darüber gesprochen, ob das etwas für mich wäre. Dann habe ich mich beworben. Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet in meinen jungen Jahren schon zu diesem Beruf zu kommen, aber im August 2018 habe ich die Stelle gestartet. Mit Urs Schenk habe ich einen erfahrenen Schulleiter an meiner Seite, der mich unterstützt und von dem ich viel lernen kann. Sowas ist Gold wert.»
«Möchtest du nicht in der Matte leben?»
«Gliebäuglet habe ich schon», sagt sie schmunzelnd. «Jetzt lebe ich eben in Gerzensee und kann ja mit dem Böötli zur Arbeit fahren, aber ich vermute, der Heimweg dürfte etwas schwieriger sein. Spass beiseite. Ich geniesse die neue Dachwohnung in Gerzensee.»
«Was gefällt dir in der Matte?»
«Wenn ich die Post hole und dabei zur Altstadt hinauf blicke und den stahlblauen Himmel über dem Münster sehe – dann wird es mir ganz warm ums Herz.»
«Wie bist du im Team aufgenommen worden, hier in der Matte?»
«Die Lehrerschaft und die Eltern haben mich wohlwollend aufgenommen,» Einen kurzen Moment hält sie nachdenklich inne. «Habe noch keine negativen Rückmeldungen erhalten und hoffe auch, dass sich dies nach diesem Interview nicht ändern wird.» Wir lachen beide.

«Jetzt hast du schon das erste Jahr hinter dir. Gibt es Personalwechsel in der Matteschule?»

«Ja, neu wird Samuel Vetter (*1993) an Stelle von Natalie Freiburghaus zusammen mit Doris von Wurstemberger die 5. und 6. Klasse übernehmen. Gudrun Glaus und Sandra Neuenschwander sind nach wie vor
die Lehrerinnen der 3. und 4. Klasse. Die erste Klasse übernimmt Alea Christen, die auch neu in der Matte unterrichten wird. Romy Franchi geht mit der jetzigen 1. Klasse in die 2., also sie behält ihre Klasse.
Nora Meier macht ein Jahr Sabbatical und Tiziana Faehre vertritt Nora in diesem Jahr. Sie kommt vom Bitzius in die Matte hinunter. Also es gibt schon einige Änderungen und wir hatten das Glück, dass wir auch für die neuen Stellen gute Bewerbungsschreiben erhalten haben.»

«Was ist dir wichtig als Schulleiterin?»

«Wenn die Lehrerinnen und Lehrer gerne arbeiten kommen, dann kommen auch die Schüler gerne zur Schule. Ich möchte der Lehrerschaft den Rücken freihalten, damit sie sich voll auf die Schüler konzentrieren kann.»

«Was hast du für weitere berufliche Ziele?»

«Auch mal innehalten und im Jetzt zu schauen was gut ist und nicht nur in der Zukunft zu sein. Klar ist es wichtig, eine Vision zu haben, aber wenn ich nicht weiss, was ist, dann ist eine Vision vielleicht sogar hinderlich?», sinniert sie. «Es ist mir wichtig auch das Hier und Jetzt zu geniessen und gleichzeitig die Vision zu haben, wie weiter.»
«Was sind deine persönlichen nächsten Ziele?»
«Meine Schulleiterausbildung gut abzuschliessen, dies dauert jetzt noch ein Jahr. Dann macht es mir grosse Freude in der Projektleitung vom Ganztageskindergarten Altenberg zu sein. Dieses Projekt hat im Jahr 2018 begonnen. Gemeinsam mit Bruno Aeberhard, dem Leiter der Kita Altenberg, und Familie und Quartier der Stadt Bern (Jugendamt) arbeiten wir daran, dass dieses Projekt ein Erfolg wird.»
«Gibt es noch andere Projekte?»
«Mitarbeit im Projekt Bilingue, dies ist ein kantonaler Schulversuch. Dieses Projekt mit gemischtsprachlichen Schülerinnen und Schülern startet im 2019 und ist zurzeit noch im Marzili angesiedelt. Erst wenn dann die Matte-Schulhäuser saniert sind, könnte dieses Projekt in der Matte angesiedelt werden. Aber bis dann fliesst noch viel Wasser durch den Mattebach und vieles steht noch in den Sternen.»

Herzlichen Dank, Andrea, es war mir ein Vergnügen, dieses Gespräch mit dir zu führen.
Rosmarie Bernasconi