Der Berner Mattegucker

Der Matteleist organisiert sich neu

Martin GiezendannerDer ehemalige Matteleist Präsident Martin Gie­zendanner übernahm Mitte Juni 2017 eine neue beruf­liche Herausforderung im Ausland. Die Leitung des Leists übernahm ad Interim Eleonora Massini.

In Martins Rundmail vom 16.6.2017 an die Leist-Mitglieder und Matteleute schwingt leises Bedauern mit, das Amt abzugeben, das «mir in der vergangenen Zeit sehr viel Freude bereitete».

Aufgaben und Ressorts neu geordnet

Eleonora Massini übernimmt das Vizepräsidium und da­mit interimistisch bis zur nächsten Hauptversammlung das Präsidium des Leists. Sophie Muralt widmet sich dem Ressort Kommunikation. Samuel Massini wird neu Delegierter der Spysi. Thierry Kneissler bleibt weiterhin Kassier und ist somit auch für die Mitgliederadminist­ration zuständig. Elvira Bühlmann ist Verbindungsper­son und Mitwirkende beim Verein ‚Itteme Ibtle’, der das Quartierfest organisiert, und kümmert sich um das Se­kretariat und Samuel Fankhauser bleibt Delegierter im Wöschhüsi-Vorstand. Zudem übernimmt er zusammen mit Res Lüthi die Delegation im Hochwasserdossier, bzw. dem Wasserbau-Projekt. Aram Meljkian ist wie bis­her im Vorstand mit dabei.

Die nächste Generation im Matteleist

Es ist schon eine Herausforderung, für fünf Personen ei­nen Termin zu finden. Herzlichen Dank, Elvira, dass du dies für uns perfekt organisiert hast. Wir trafen uns also am 5. Juli, am späteren Nachmittag auf der Pläfe, der Münsterplattform, im Café Einstein Au Jardin: Eleonora Massini mit ihrem Bruder Samuel Massini, das Geburts­tagskind Sophie Muralt, Elvira Bühlmann und die Mat­tenguckerin Rosmarie Bernasconi.

Es waren junge Leute, die mir gegenübersassen. Seit der Leist-Hauptversammlung im April, hat sich Leist-Vor­stand deutlich verjüngt. Ich war gespannt auf dieses Ge­spräch mit der nächsten Generation.

«Was ist eure Motivation beim Leist mit machen?»

Säm schaut mich mit seinen tiefblauen Augen an, über­legt einen Moment, bevor er zu sprechen beginnt: «Mir liegt die Matte am Herzen, ich bin hier aufgewachsen, war aber längere Zeit weg gewesen. Ich bin nun glück­lich, wieder hier in der Matte zu sein. «Es isch es hure schöns Quartier – direkt an der Aare», schwärmt er be­geistert.
«Säm, hast du den Eindruck, dass zu wenig läuft in der Matte?», frage ich ihn.
«Als 16-Jähriger durfte ich jeweils ins Wasserwerk «rein­schleichen», das fand ich schon cool. Nun, jetzt mit 32 ist es ein bisschen anders und auch nicht schlecht, dass es in dieser Hinsicht etwas ruhiger geworden ist. Es ist auch gut, dass es die Mattebrennerei gibt, aber auch die Black Quarter Bar am Mühlenplatz. Ich finde es übri­gens schön, dass nun junge Leute im Matteleist-Vorstand dabei sind, so sind verschiedene Bedürfnisse abgedeckt», lenkt er das Gespräch auf den Matteleist. Säm ist jemand, der etwas machen will, so war es für ihn klar, dass er z.B. am 17. Juni am Umwelttag beim Aufräumen vom Mat­tebach mitgeholfen hat. «Es hat grossen Spass gemacht», lacht er spitzbübisch.»

Säm, Regins und Eli beim Mattebach

v.l.n.r. Säm. Regina und Eli - Mattebachputzete 2017

«Ich bin aus einer ähnlichen Motivation im Matteleist wie Säm», meint Sophie Muralt. «Seit etwa sechs Jahren lebe ich nun hier in der Matte. Ich weiss, dass sich in den letzten Jahren einiges verändert hat. Vom Arbeiterquar­tier zum Ausgehquartier und heute ist es vermehrt wieder ein Wohn- und Familienquartier und das ist auch gut so.» Sophie arbeitet im Matteladen, bis sie einen Job fin­det. Sie hat Kunstgeschichte und Germanistik studiert.
Zwischenzeitlich ist Elvira Bühlmann mit ihren beiden Buben auf der Pläfe eingetroffen. Elvira ist bereits seit zwei Jahren im Matte-Leist-Vorstand. Die lebendigen Buben beschäftigen sich am Nachbartisch mit Eiscrème schlecken.

Sophie fährt mit ihren Ausführungen weiter. «Alleine kann ich nicht so viel bewirken, wie in einem Team. Ich möchte den Jüngeren hier in der Matte eine Stimme geben. Wir machen etwas für das Quartier, auch beim «Matte läbt!» sind wir aktiv mit dabei. Wir brauchen mehr Leist-Mitglieder und wir brauchen Rückhalt aus der Bevölkerung, damit wir etwas bewirken können.
Wenn ich mit jungen Menschen rede, dann wird oft über den Leist die Nase gerümpft. Die Jungen sagen, in der Matte sei nichts mehr los und der Matteleist sei überal­tert. Dem möchte ich entgegenwirken und zeigen, dass dem nicht so ist», schliesst Sophie ab.

Eleonora Massini ist eher überraschend zum Matteleist gestossen. «Der Aram vom Matteladen fand, dass jün­gere Leute dem Leist guttun würden. So bin ich dazu gestossen. Dass ich aber so schnell das Amt einer Leist-Präsidentin ad Interim übernehmen würde, an das hätte ich nicht im Traum gedacht.
Zuerst zögerte ich, das Amt anzunehmen. Denn eigent­lich beabsichtigte ich, erst mal in aller Ruhe zu beob­achten, wie es so im Leist so zu und her geht. Aber es gab keine Alternative und ich habe zugesagt, es mit dem Team zusammen zu probieren.» Eli schaut nachdenklich über die Pläfe.
«Was hast du für ein Ziel, Eli, und was willst du errei­chen?»
«Ich muss mich zuerst mal einarbeiten und bin alles so langsam am Kennenlernen. Für mich persönlich ist wich­tig, dass jeder seine Qualitäten mit ins Team bringt. Und frag mich in einem halben Jahr wieder, dann kann ich dir mehr sagen.»
Sie streicht über ihre blonden, langen Haare.

Die drei Neulinge werden sich die Aufgaben aufteilen und Erfahrungen sammeln, wohin das führt wird man sehen.

«Wir haben auch noch die andern im Leist, die uns in unserm Schaffen unterstützen werden», meint Eli bestimmt. «Wir haben Eli natürlich unsere Unterstützung zugesi­chert und werden sie nicht im Stich lassen», wendet So­phie ein. Säm und Elvira nicken.

«Wie geht ihr damit um, wenn jemand sagt «Früher war alles anders?»

«Uns sind durchaus die Meinungen und Erfahrungen äl­terer Mätteler wichtig, denn sie können uns sicher das eine oder andere mitgeben. Für uns ist es notwendig, dass wir das Gespräch mit Alt und Jung suchen, mit Familien und den Mättelerinnen und Mättelern. Natürlich müs­sen wir noch viel lernen, aber es hat Platz für alles», erklä­ren Säm und Eli.

«Es soll ein agiler Verein bleiben, so dass auch kleine und grössere Aktionen Platz finden. Das Projekt Mattebach war wirklich super auch das bevorstehende «Matte läbt!» Fest vom 19. August 2017 ist eine Sache, die wir unter­stützen», sind sich alle einig.

«Und die Hochwasserthemen überlassen wir gerne den andern Vorstandkollegen. Diese haben Übung, sich mit den Behörden auseinanderzusetzen. Ich denke, sie wer­den uns sicher weiterhelfen», sagt Eli klar.
Elvira hat bis jetzt zugehört und ihre beiden Kids, Giosch und Matti, am Nebentisch im Auge behalten. Jetzt, da die beiden sich intensiv mit den Eiscrèmes beschäftigen, hat sie auch etwas Luft, sich ins Gespräch einzugeben. Elvira lebt seit 2010 in der Matte, im buddhistischen Zentrum an der Gerberngasse.

«Was kannst du als «Se­niorin» im Matteleist den Jungen für Unterstützung bie­ten?», will ich wissen.

«Ich fühle mich immer noch als Juniorin», lacht sie. Elvi­ra setzte sich für den Spielplatz an der Gerberngasse ein und bekam dabei vom Matteleist grosse Unterstützung. Im September 2015 wurde der Spielplatz im Hinterhof an der Gerberngasse mit einem kleinen Quartierfest ein­geweiht und Elvira daraufhin eingeladen im Matte-Leist-Vorstand mitzuwirken.
«Ich bin vom Vorstand als ein eher junges Mitglied sehr willkommen geheissen worden. Ich brauchte allerdings schon einen Moment, bis ich mich im Leist zurechtge­funden habe, zumal es viel Umbruch gab und der Leist sich in seiner Funktion komplett hinterfragt hat: Braucht es den Leist noch und in welcher Form? Da gingen wir durch einen wichtigen Prozess durch. Ich freue mich sehr, dass Eli, Sophie und Säm mit dabei sind. Ich schät­ze die nun gewonnene Durchmischung im Vorstand und denke, dass wir die Mätteler so gut vertreten; von Fa­milien über Gewerbetreibende, Jung und Älteren. Zuvor war ich die einzig übrig gebliebene Frau im Vorstand. Mir liegt am Herzen, dass wir mit neuem Schwung die wertvolle Arbeit vom Leist fortsetzen können», sagt sie ausdrücklich.

«Wo wollt ihr in zwei Jahren sein?»

«Der Matteleist soll wieder vermehrt ins Bewusstsein kommen», sagt Säm spontan. «Irgendwie hat der Leist in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Die ist aber meine Wahrnehmung», betont Säm.
«Eine Idee ist es auch, dass wir uns einmal im Monat vor dem Wöschhüsi treffen können. Zusammen reden – Zusammen sein – Zusammen «eis trinke, Austauschen – sich kennenlernen», findet Eli.

Es sprudelt nur so, die jungen Menschen haben unzähli­ge Ideen, was man alles unternehmen könnte. Alle wol­len dasselbe, nämlich dass trotz aller digitalen Technik man wieder vermehrt zusammensitzt und sich analog austauscht.

«Es soll auch so sein, dass es ein Miteinander geben wird, dass die Leute auf uns zukommen und ihre Ideen ein­bringen. Nicht einfach nur: «Der Leist soll und der Leist muss.»

Unsere Plattform-Zeit neigt sich dem Ende zu. Sophie will mit ihren Freunden Geburtstag feiern, Giosch und Matti sind mit dem Ysgi fertig und erheben Anspruch auf ihr Mami. Langsam verschwindet die Sonne am Ho­rizont. Ich fahre mit einem guten Gefühl mit dem Mat­telift wieder in die Matte zurück und lasse das Gespräch und die Lebendigkeit in mir nachhallen.

Rosmarie Bernasconi