Der Berner Mattegucker

Der Schecke und die merkwürdigen Spuren

Der Schecke - Zeichnung

Am Rande eines Waldes gab es eine kleine Pferde-Ranch. Dort lebte ein braun-weiss geschecktes Pferd in Frieden mit seinen Freunden. Einmal in einer Ge­witternacht wachte der Schecke von einem komischen Geräusch auf. Er öffnete vorsichtig die Stalltür und lief aus dem Stall. Er spürte die Regentropfen auf seinem Fell. Da war nur das Gewitter. Er lief weiter und trat plötzlich in eine tiefe Grube. Als er den Huf zurückzog und nach unten blickte, sah er eine riesen Krallenspur. Sie sah aus wie von einem Wolf, nur viel viel grösser. Der Schecke zitterte vor Angst und ging sofort zurück in den Stall in sein weiches Heu. Dort schlief er ein.

Als die Menschen die Stalltür öffneten, tönten sie hek­tisch. Da fiel dem Schecken wieder die Nacht von ges­tern ein. Als er auf der Weide war, erzählte er seinen Freunden, was in der Nacht passiert war. Erst dann fiel den Pferden auf, dass die ganze Pferde-Ranch ver­wüstet war. Überall hatte es Kratzspuren, sogar am Weidezaun. Noch nie hatten die Pferde so grosse Spu­ren gesehen. Weil die Menschen grad nicht da waren, hatten die Pferde die Idee, in den Wald zu gehen und nachzusehen. So kam es, dass die Pferde in den Wald gingen. Nach drei Stunden mochten sie nicht mehr und machten Pause auf einer Lichtung, wo es eine schöne Quelle hatte. Da bebte plötzlich die Erde, und alle Pferde wachten aus ihrem Mittagsschlaf auf. Sie wagten nicht, sich von der Stelle zu rühren. Auf einmal brannten die Bäume neben ihnen. Dann sahen sie ein riesiges schuppiges Bein zwischen den Bäumen, das die Pflanzen niedertrampelte.

Was glaubt ihr, was das für ein gefährliches Monster war?

Die Pferde ergriffen sofort die Flucht. Als sie zur Ranch zurückwollten, war der Weg versperrt. Es gab nur zwei Möglichkeiten: ein Weg führte durch den Fluss, der an­dere zur Dunkelhöhle, wohin sich nie jemand getraute. Die Pferde wollten durch den Fluss, aber ein weisser Hengst konnte nicht schwimmen. Also mussten sie den Weg zur Dunkelhöhle nehmen. Alle zitterten als wären sie aus einem ganz kalten Wasser gekommen.

Als sie fast bei der Höhle waren, kam etwas Grünes aus der Höhle. Links und rechts brannten schon wie­der zwei Bäume. Das Grüne starrte die Pferde an, und die Pferde starrten das Grüne an. Das Grüne stiess ei­nen lauten Schrei aus und rannte davon. Die Pferde merkten, dass es gar kein böses Viech war. Sie rannten ihm nach. Der braun-weisse Schecke rief: «Du, grünes Ding, warte doch, wir wollen dir nichts tun!» Das grü­ne Ding blieb wie angewurzelt stehen. Dann drehte es sich langsam um. Als es die Pferde sah, musste es grad weinen und machte eine Überschwemmung, so dass der Schimmel, der nicht schwimmen konnte, fast ertrunken wäre. Der Schecke fragte: «Wer bist du, und wie heisst du?» Das grüne Ding sagte: «Ich heisse Vertrampli und bin ein Feuerdrache.» Dann fragte der Schecke: «Warum hast du vor uns Angst?»

«Ich habe Angst vor euren Hufen. Es tut mir leid, dass ich eure Ranch kaputtgemacht habe. Ich habe eure Hufe gehört und war etwas aufgeregt.» Der Schecke sagte: «Das ist nicht so schlimm!» Sie wurden beste Freunde.

ENDE

Von Julia Steinauer, 9, der Mama diktiert.