Der Berner Mattegucker

Neues Lehrerinnen-Team 5. und 6. Klasse

Ein herrlicher Sommertag – und die Schulferien haben soeben begonnen. Der beste Moment also, um die drei Lehrerinnen kennen zu lernen, die ab August im neu­en Schuljahr 2017/18 die 5. und 6. Klasse übernehmen werden. Wir entschliessen uns dieses Gespräch auf der Pläfe im Einstein Café au jardin zu führen: Natalie Frei­burghaus, Doris von Wurstemberger und Celina Dobi. Gemütlich, mit prächtiger Aussicht und feinem Kaffee, da lässt es sich locker für den Mattegucker plaudern.

Natalie Freiburghaus übernahm bereits im Sommer 2016 in der Matte eine 5. Klasse. Vorher mussten die Schüler und Schülerinnen nach der 4. Klasse ins Bitzius-Schul­haus zum Unterricht gehen – es hatte einfach zu wenig Platz in den Schulhäusern. Das gab einen langen Schul­weg von der Matte her. Doch als die Sprachheilschule im Sommer 2016 auszog, gab es wieder freie Klassenzimmer in der Matte. Die meisten Kinder mögen es, dass sie auch die 5. und 6. Klasse in der Matte absolvieren dürfen. Es gibt nur ganz wenige, die gerne ins Bitzius-Schulhaus ge­wechselt hätten. Ein langer Schulweg hat halt auch sei­nen Reiz.

Im vergangenen Schuljahr unterrichtete Natalie Freiburg­haus in der 5. Klasse 15 Kinder. Diese und zwei Neuzu­gänge wird sie auch in der 6. Klasse weiter begleiten. Ursprünglich war eine Mischklasse geplant. Weil diese so gross wurde, stiess Doris von Wurstemberger zum Team. So sollten Natalie und Doris die Hauptfächer in den bei­den Klassen unter sich aufteilen. Kurzfristig kamen je­doch weitere Schüler dazu, sodass es nun dreissig Kinder sind. Dies bedeutete, dass man die Klassen nun doch in 5. und 6. Klasse aufteilen konnte, was wiederum mehr Lektionen generierte. Da dies den Rahmen der Lehrerin­nen sprengte, stellte der Schulleiter eine zusätzliche Lehr­kraft – Celina Dobi – ein.

Glücksfall für alle ist, dass Celina Dobi, die als junge Mättelerin im Quartier zur Schule ging, nun als fix fertig ausgebildete Lehrerin mit Erfahrung für zwei Tage in der Matte zur Verfügung steht. Zusätzlich übernimmt sie im neuen Schuljahr eine 7. Klasse in der Lorraine.

Und um die Verwaltungsmathematik abzuschliessen: Es sind also in zwei Klassen drei Lehrerinnen, sie werden sich gegenseitig unterstützen. Sie werden oft parallel, aber nie mehr als zwei gleichzeitig die Mattemodi und -giele unterrichten.

«Was erwartet ihr vom neuen Schuljahr?», will ich wissen.

Natalie: «Gute Zusammenarbeit und ich freue mich sehr auf dieses Jahr. Ich denke, dass es sich in eine kons­truktive Richtung entwickeln wird. Es wird sicher neuen Schwung geben. Ich glaube auch, dass ich von Doris und ihren Erfahrungen profitieren kann und bin sicher, dass sie mich unterstützen wird. Für mich ist es so, dass der Schulstoff in der 6. Klasse noch neu ist. Ich bin natürlich schon gespannt.»

Doris: «Wir haben gemeinsame Ziele und eine enge Zu­sammenarbeit. Ich bin gespannt, ob ich teamfähig ge­nug bin», lacht sie. «An meiner alten Stelle war ich es ge­wohnt, für mich alleine zu schauen. Ich freue mich jetzt auf die Zusammenarbeit, denn ich denke, dass sie sehr fruchtbar sein kann. Es wird sicher so sein, dass wir am gleichen «Karren» ziehen, davon bin ich überzeugt.»

Celina: «Ich bin hier unten in der Matte in die Schule gegangen und der Zusammenhalt ist wirklich gross. Ich habe da keine Befürchtungen, dass wir uns behindern könnten. Wie schon Doris und Natalie gesagt haben, ist es unsere Aufgabe zusammen ein gutes Jahr auf die Bei­ne zu stellen.» Celina schaut in die Runde und ist voller Zuversicht.

Was sind eure Befürchtungen?

Doris: «Wenn ich einen Sololauf mache und andere vor den Kopf stosse. Ich bin froh, wenn die beiden andern es mir sagen und nicht die Faust im Sack machen. Oder wenn ich als Älteste im Team plötzlich die «Mutterrolle» spiele.» Dies könnte schon geschehen, denn Doris hat drei Töchter im ähnlichen Alter wie Natalie und Celina.

Natalie: «Für mich wäre es schwierig, wenn wir merken müssten, dass wir andere Vorstellungen hätten, die nicht zusammenpassen oder die man nicht unter einen Hut bringen kann. Ich bin aber auch sehr zuversichtlich.»

Celina: «Dass ich auf die verschiedenen Stufen nicht korrekt eingehen kann. Eine Befürchtung ist es auch, dass ich meine Erwartung an mich, an Natalie und Doris zu hoch stecke. Ich werde sicher Natalie und Doris unter­stützen und wir werden gemeinsam besprechen, was wir machen können, damit ich mich nicht als «Aussenseite­rin» fühle.» Sie grinst.

«Wir arbeiten nebeneinander und sind immer zu zweit», sagt Doris. Denn Celina arbeitet am Montag für Doris und am Freitag für Natalie.

Die drei Lehrerinnen auf der Münsterplattform

Was ist euer Ziel – in diesem Jahr?

«Ein spannendes Jahr – ein reiches Jahr – ein Projekt ist geplant, das sicher sehr vielseitig ist - was wir aber noch nicht verraten möchten.» Sie nicken sich verständnisvoll zu. So viel aber schon im Voraus: Die drei haben einige Projekte im Kopf. Was ausgeführt wird, werden wir im Laufe des Schuljahrs erfahren.

Für die drei Frauen ist es wichtig, immer wieder zusam­men zu kommunizieren. «Wir möchten nicht aneinander vorbei arbeiten und dann merken, dass wir auf unseren Puzzleteilen stehen bleiben und das Ganze aus den Au­gen verloren haben», meint Doris klar.

«Natürlich kann es Dinge geben, die nebeneinander lau­fen und dann auch ein Gesamtkunstwerk darstellen. Wir werden sehen.» Die drei nicken sich wiederholt einver­nehmlich zu.

Natalie Freiburghaus, Doris von Wurstemberger und Ce­lina Dobi werden einen Weg finden, um ein angeregtes Jahr zu gestalten. Wie es dann 2018 aussehen wird – das steht noch in den Sternen. Wir dürfen gespannt sein, was wir von dieser kreativen Gruppe noch hören und sehen werden.

Und eines ist mir klargeworden, alle wollen dasselbe: Dass die Schülerinnen und Schüler in der Matte auch ihren Spass in der Schule haben dürfen.
Ich habe den Lehrerinnen «Hausaufgaben» gegeben und allen die gleichen Fragen gestellt.

Porträts der drei Lehrerinnen

Natalie Freiburghaus 03.11.1993 (Skorpion) 
Celina Dobi 25.12.1988 (Steinbock)
Doris von Wurstemberger 08.02.1966 (Wassermann)

Wie lange bist du schon in der Matte – oder was hast du für einen Bezug zur Matte?

Celina: Bis jetzt habe ich die meiste Zeit meines Lebens in der Matte verbracht: als Kind in der Kinderkrippe Matte, im Kindergarten an der Fricktreppe, als Schulkind bis zur 4. Klasse im Matte-Schulhaus, bis ich als junge Erwachsene von angrenzender Strasse (dem Nydeggstal­den) meinen Weg an die Badgasse gefunden habe, wo ich mittlerweile seit 5 Jahren zuhause bin.

Natalie: In der Matte bin ich nun seit einem Jahr. Da ich aus dem Kanton Freiburg stamme, hatte ich vorher keinen Bezug zur Matte. Dafür in diesem Jahr umso in­tensiver.

Doris: Die Matte ist die Wiege des ersten Wurstember­gers. Ich selbst als Bernerin habe sie vor ein paar Jahren für mich entdeckt und mein Mann Rolf Belle hatte die letzten drei Jahre seinen Laden Belle’s Vitrine an der Ger­berngasse 13.

Was gefällt dir in der Matte

Celina: Obwohl ich in der Matte lebe, ist für mich die Matte eine ewige „Wunderkiste“. Es gibt immer wieder Neues, Spannendes und Vielfältiges zu entdecken und kennenzulernen; seien es Lokale, Gewerbe, spannende Geschichten oder weitere wunderbare Menschen.

Natalie: Die herzliche Art der Mätteler gefällt mir be­sonders gut. Für mich hat die Matte einen besonderen Dorfcharakter, man kennt sich, grüsst und trifft sich im Mattelädeli. Ich fühlte mich hier sofort zu Hause. Abge­sehen von den „Einheimischen“ finde ich auch die Lage wunderschön: direkt an der Aare, nahe vom Stadtzent­rum und trotzdem ruhig.

Doris: Die Matte ist ein Dorf in der Stadt. Man kennt sich und hält zusammen, wenn’s schwierig wird. Zudem gefällt mir die überall sichtbare Geschichte mit all ihren persönlichen Geschichten.

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Dies sind Autoren und Autorinnen, die in diesem Mattegucker mitgeschrieben haben. Einige der Kinder werden nach den Sommerferien die 5. Klasse besuchen.

Was würdest du verändern in der Matte - wenn du könntest?

Celina: Für die Matte wünschte ich mir, dass es für be­tagtere Matte-Bewohner mehr Möglichkeiten gäbe in die Stadt zu kommen. Oftmals sind schon die kleinsten Be­sorgungen eine grosse Herausforderung.

Natalie: Ich würde mehr Grün, mehr Pflanzen, mehr Rasen in die Matte und vor allem auf den Pausenplatz bringen.

Doris: Die Hochwassergefahr definitiv bannen. Und das Schulhaus renovieren. Auch wenn es so durchaus seinen Charme hat.

Was hast du für private Interessen?

Celina: Ich habe eine grosse Liebe zur Literatur, vor al­lem zur Lyrik, und zum (Kino-)Film. Es eröffnen sich für mich immer wieder neue Welten, die es zu erleben und zu erschliessen gibt. Und es gibt fast nichts Schöneres, als von einem Film berauscht durch die Matte zu flanieren.

Natalie: Meine grosse Leidenschaft ist das Tanzen. Ich bin in einer Tanzgruppe als Mitglied aktiv und darf diese Freude auch als Trainerin weitergeben. Zudem bin ich sehr gerne in den Bergen, sei es im Winter zum Skifahren oder im Sommer zum Wandern und Abschalten.

Doris: Menschen und ihre Geschichte(n), Schreiben, Musik und immer öfter auch einfach das Leben geniessen.

Was ist dein Lieblingsfach?

Celina: Ein Lieblingsfach habe ich nicht. Mir ist viel wichtiger mitzuerleben, wenn sich Kinder und Jugendli­che als erfolgreich erfahren können, in und mit dem, was sie tun – das Schulfach hat dabei für mich eine zweitran­gige Bedeutung.

Natalie: Seit einem Jahr bin ich nun Lehrerin. Meine Lieblingsfächer sind immer noch die gleichen, wie als Schülerin auch schon: Sport und Mathematik.

Doris: Am liebsten mag ich es, wenn Fächer sich vermi­schen können, wie es im Leben ja auch ist.

Die zukünftigen 6. Klässler

Zuküntigen 6. Klässer - das Bild wurde am 5. Juli 2017 kurz vor den grossen Som­merferien aufgenommen. Ganz hinten Lehrerin Natalie Freiburghaus.