Der Berner Mattegucker

Livia Franz – ich liebe das Theater

Livia Franz huscht voller Energie und Leben in den Buch­laden. Sie muss um halb elf bei den Proben im Theater Matte sein, für das neue Theaterstück für Kinder «Das kleine Ich-bin-ich». Also legen wir gleich los. An einem so schönen Morgen nehmen wir die Fotosession zuerst in Angriff. Wir bummeln an die Aare. Es ist hell, die Son­ne blendet und Livia blinzelt mich an. Doch dank viel schauspielerischer Professionalität sind die Bilder schnell im Kasten und wir machen es uns – zurück im Laden – in den roten Stühlen bequem.

Wie immer meine erste Frage. Wer ist Livia?

Livia sprudelt los. «Ich mag Menschen, ich liebe es, Men­schen zu beobachten und bin gerne unter Leuten, bin humorvoll, kann gut zuhören, oder: immer besser zuhö­ren. Ich bin kreativ und liebe das Theater. Livia Franz ist am 28.9.1985 im Zeichen Waage mit Aszendent Löwe geboren. «Ich bin zwar eine Waage, bin allerdings nicht harmoniebedürftig und streiten tue ich auch ganz gerne. Ich brauche dies sogar.» Ihr helles, fröhliches Lachen er­tönt durch den Raum.

Livia Franz, drei Porträts

«Ich sehe das Glas halbvoll und bin ein positiv denkender Mensch. Manchmal etwas melancholisch und manchmal bin ich auch eine «Dramaqueen». Ich muss immer das letzte Wort haben und bin sehr gut im Argumentieren. Manchmal nervt es nicht nur meine Umwelt, sondern auch mich. Ich sollte nicht immer das letzte Wort haben. Da bin ich am Lernen.» Sie grinst mich verschmitzt an. Livia ist ausgebildete Kleinkindererzieherin und sie weiss, was sie will. Als sie an ihrer ersten Lehrstelle nicht weiter­kam und in ihrer Art eingeschränkt wurde, wechselte sie kurzerhand die Lehrstelle und machte die Lehre in einer anderen Kita, in Jegenstorf, fertig. Dort konnte sie sich entfalten und erhielt auch die nötige Unterstützung. Die Kita lag neben der Remise-Bühni in Jegenstorf und so war das Theater bereits in ihrer Nähe.

«Wie bist du zum Theater gekommen?», will ich wissen. «Durch den damaligen Präsidenten Fredi Stettler. Sie suchten für ein Stück eine junge Frau. Ich wurde zum Casting eingeladen. Ich brauchte allerdings schon noch etwas Mut, bis ich dann endlich zum Casting erschien, obwohl ich eigentlich spielen wollte. Kaum bin ich in die Remise-Bühni eingetreten ist, ist Fredi ausgetreten, was ich sehr bedauert habe. Ich folgte ihm dann ins Theater Matte», sagt sie lachend.

In der Saison 2011/2012 spielte ich im Stück «Nabel­schnüre» das erste Mal auf der Theater-Bühne in der Matte mit.

Was gefällt dir im Theatermatte?

Ihre Augen leuchten. «Es macht alles Sinn und ich sehe diesen Sinn hinter dem, was wir tun. Wir ziehen am glei­chen Strick und wir haben es wirklich gut.» Wertschät­zung Hilfsbereitschaft – Livia Franz kommt ins Schwär­men.

Seit rund einem Jahr ist Corinne Thalmann die neue künstlerischere Leiterin im Theater Matte. Wir können mitreden und mein Urteil zählt mit, wenn es um ein neu­es Stück geht. Ich mag sie sehr, weil Corinne so offen und verständlich informiert und auch klar kommuniziert.»

Livia Franz arbeitet in der Administration zusammen mit Annemarie Morgenegg. Es könnte sein, dass Livia in ferner Zukunft die Nachfolge von Annemarie über­nehmen wird. Dies ist aber noch nicht gerade heute und auch nicht morgen. «Wir haben schon mal darüber ge­sprochen, wie es dann in zwei/drei Jahren aussehen wird. Das steht im Moment allerdings noch in den Sternen.

Was wünscht du dir vom Theater Matte?

Seit ich an der Remise-Bühni Jegenstorf das Stück «Pet­terson und Findus» aufgeführt habe, faszinieren mich Theaterstücke für Kinder. Sicher auch, weil ich mei­nen beiden Buben ab und zu etwas aufführe», sagt sie schmunzelnd. Mit Markus zusammen haben wir dann den «Maulwurf» in Angriff genommen.

Markus Maria Enggist hatte die Idee, gemeinsam mit mir ein Kinderstück auf die Beine zu stellen. Schon lange schwebte mir die Geschichte vom «Dr Muuwurf mit em Gagi uf em Chopf» vor. Zu Beginn gab es einige Einwän­de wegen «Dem Gagi auf dem Chopf.» Schlussendlich fanden es aber alle gut und wir haben das Stück schon einige Male erfolgreich aufgeführt. Neulich auch an der Nydeggnacht in der Nydeggkirche – da mussten wir uns hinter dem Altar umziehen.» (Anmerkung des Mattegu­ckers: die Stimmen zum Maulwurf an der Nydeggnacht klangen begeistert)«Es macht auch grossen Spass mit Markus zu spielen.»

Das kleine Ich-bin-ich

Das neue Stück von Livia Franz und Markus Maria Eng­gist wird wie gesagt «Das kleine Ich-bin-ich». Die Premi­ere wird im November 2017 stattfinden. «Ich freue mich sehr auf dieses Stück, weil mir die Einfachheit, wie das Thema erzählt wird, gefällt. Eigentlich ist geplant, dass wir jedes Jahr ein neues Theaterstück für Kinder auf die Beine stellen. Ich denke, dass wir die Energie aufbringen, dies auch durchzuzuziehen. Ein Theaterstück für Kinder ab drei Jahren ist in Bern noch eine Lücke. So wollen wir am Ball bleiben und auch dieses Publikum miteinbezie­hen», sagt sie entschieden.

«Spielst du in den neuen Stücken mit, in dieser Saison?» «Nein, ich spiele in dieser Saison nicht mit. Ich bin ziemlich engagiert mit dem Kindertheater. In der Saison 2018/2019 freue ich mich dann allerdings wieder, auf der Bühne zu stehen. Manchmal muss ich Prioritäten setzen. Jetzt sind meine Kinder noch ein bisschen zu klein, dass ich alles machen kann. Klar, habe ich ein gutes Umfeld. Ich kann mich sehr auf Mario, meinen Mann, und meine Eltern und Schwiegereltern verlassen. So bleibt mir recht viel Freiraum für meine kreativen Projekte. Es gibt natür­lich auch Zeiten, wo es nicht so stressig ist.»

Ich möchte, dass das Theatermatte in allen Köpfen drin ist.

«Was wünscht du dir für das Theatermatte?»

Ich möchte, dass das Theatermatte in allen Köpfen drin ist, und dass das Theater unten an der Aare jeder kennt. Ein etabliertes professionelles Theater mit guten Leuten, die mit Herzblut arbeiten.

Livia Franz ist viel beschäftigt, Familie, Theater spielen, Theaterstücke für Kinder schreiben. Sie mag es, wenn et­was läuft. Theater ist eine Arbeit, bereitet aber auch viel Freude. Das sie einmal sagen könnte, sie lebe vom The­ater, das hätte sie sich nie vorstellen können. Theater ist für sie Ausgleich zu ihrer Familie. Livia lebt mit ihrer Fa­milie in der Länggasse: Ehemann Mario und zwei Söhne im Alter von eins und fünf.

Den Längmuurspielplatz, weiter unten in der Matte, kennt sie gut und sie spielt mit ihren Kindern oft dort. So entstand wie von selbst eine Beziehung zu den «Matte -Müttern» und dadurch zu vielen Leuten aus der Matte.

«Was gefällt dir in der Matte?»

«Dass man mit den Menschen schnell ins Gespräch kommt, einen Schwatz halten kann. Mir gefällt das Mat­te-Lädeli. Ich mag es auch, mein Mittagessen im Ligu Lehm zu holen. In der Länggasse oben haben wir eher die Grossverteiler, auch gut, aber anderes. Deshalb schätze ich es wohl, schnell im Matte-Lädeli oder eben bei Shiva im Ligu Lehm einzukaufen.»

Die Zeit ist um. Die quirlige, fröhliche junge Frau huscht aus dem Laden zu den Proben. Vielen herzlichen Dank, liebe Livia, für deine Zeit.


DAS KLEINE ICH-BIN-ICH

Theaterstück für Menschen ab 3 Jahren

Von Livia Franz und Markus Maria Enggist nach dem Buch von Mira Lobe

Schweizer Uraufführung

«Was? Du bisch es Tier ohni Name? Es wüsse doch alli, wär sie si oder wie sie heisse.»
«Wer bist denn Du?», fragt der Frosch. Dem klei­nen bunten Tier fällt darauf keine Antwort ein und so macht es sich auf die Suche. Auch alle anderen Tiere, denen es auf seiner Reise begegnet, kön­nen ihm da nicht weiterhelfen. Bis es ihm endlich einfällt: «Ich bin Ich«!

Livia Franz und Markus Maria Enggist erzählen mit viel Humor und heiteren Liedern einen fan­tastischen Kinderbuchklassiker von der Suche nach der eigenen Identität, vom Anderssein und vom Dazugehören. Auch dieses Jahr werden die kleinen und grossen Theaterbesucher wieder zum Mitmachen ermuntert ...


Weitere Informationen über das Theater und das Theaterprogramm 2017/2018 finden Sie auf www.theatermatte.ch