Der Berner Mattegucker

Gemeinnützige Baugenossenschaft Bern

Gesamtsanierung der Gebäudereihe Bubenbergrain 15+17, 21+23, Badgasse 4 und Schifflaube 50+52

Historisches zur Gemeinnützigen Baugenossenschaft (GBB)

Franco Masina und Angelo Michetti am Bubenbergrain

Franco Masina und Angelo Michetti

Der Homepage der GBB (www. gbgb.ch) entnehme ich: Im ausgehenden 19. Jahr­hundert zählte die Matte zu den Elendsvierteln der Stadt Bern. Die Wohnverhältnisse waren prekär. Dank dem Engagement der „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern“ konnten die miserablen Wohn- und Hygienever­hältnisse in der Matte wesentlich verbessert werden.

Die 1911 gegründete „Gemeinnützige Baugenossen­schaft Bern“ hat auch heute noch zum Ziel, der Bevölke­rung einfache, aber zeitgemässe Wohnungen zu günsti­gen Mietzinsen anzubieten. Sie erwirbt zu diesem Zweck ältere Liegenschaften, welche sie verantwortungsvoll sa­niert, oder erstellt Neubauten mit sinnvollen und zahlba­ren Wohneinheiten. Die Genossenschaft denkt langfris­tig und verantwortungsvoll. Sie versucht mit Zukäufen und Neubauten der Spekulation entgegen zu wirken.

Und wie steht es heute?

Im Moment sei es allerdings so, dass die GBB keine Lie­genschaften zu vernünftigen Preisen kaufen kann. «Wir sind keine spekulative Genossenschaft und so sind uns Grenzen gesetzt. Was wir aber möchten, ist das Leben hier unten an der Aare fördern, deshalb investieren wir weiterhin im Mattequartier.» Sagen Franco Masina und Angelo Michetti beim Interview mit dem Mattegucker. Und für Liebhaber klingender italienischer Namen: die Interviewpartnerin war Rosmarie Bernasconi.

Franco Masina ist seit 2011 Präsident der Gemeinnüt­zigen Baugenossenschaft Bern, Angelo Michetti ist der Architekt aus dem Architekturbüro Campanile und Mi­chetti (cmarchitekten.ch) an der Aarstrasse. Die beiden haben sich hinsichtlich der grossen Sanierung der Lie­genschaften Schifflaube 50 und 52, sowie der Badgasse 4 und dem Bubenbergrain 21 + 23, 15 + 17 für ein Ge­spräch für den Mattegucker und für www.matte.ch zur Verfügung gestellt.

Das grosse Vorhaben wirft Wellen

Am 25. April 2017 wurden die Bewohnerinnen und Be­wohner sowie die Betroffenen ausführlich über dieses tiefgreifende Bauvorhaben informiert.

Alle Bewohner werden aus ihren Wohnungen ausziehen. «Nein, unter der Brücke wird niemand schlafen müs­sen», wendet Franco Masina ein. «Wir sind uns schon bewusst, dass viele der Bewohner aus ihrer Komfortzo­ne herausgerissen werden. Allerdings erwarten wir von den Bewohnern auch Selbstverantwortung und dass sie ihre Wünsche anmelden. Wir können nicht alles erraten. Aber wir sind zuversichtlich, dass es für alles und alle eine Lösung geben wird. An der Badgasse 21 – 49 werden ge­kündigte Wohnungen freigehalten, damit die Bewohner vorübergehend in die leerstehenden Räumlichkeiten zie­hen können. Die heutigen Bewohner haben gegenüber „Fremden“ bei der Wohnungsvergabe Priorität. Wer will und kann, wird also wieder in seine angestammten Woh­nungen zurückkehren können.»

«Wann geht es los?»

«Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich Anfangs 2018 und dauern bis Ende 2020.» 

«Was ist für die Projektleiter die Herausforderung bei dieser Sanierung?»

«Wir bemühen uns, allen gerecht zu werden. Wir bemü­hen uns aber auch, der Geschichte, dem Stadtbild, den Bewohnern, dem Bauherrn und der Matte gerecht zu werden. Es geht uns darum, dass wir sorgfältig mit die­ser Sanierung umgehen und nicht einfach alles zerstören wollen.»

«Wie lange dauerten die Vorarbeiten für diese Sanierung?» «Wir haben rund 1 ½ Jahren bis zur Baueingabe geplant. Es war eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Be­teiligten. Auch wenn man ab und zu über den «Amts­schimmel» spottet, den haben wir nicht gespürt und wir sind problemlos und gut vorwärtsgekommen. Dabei geholfen hat vielleicht auch, dass wir keine spekulative Genossenschaft sind. Es geht uns um eine “gute Lösung für alle Betroffenen“ und nicht um hohe Renditen und Gewinne.»

Blick auf den Bubenebergrain

Lange Planung und schonendes Vorgehen

«Es sind bauliche Notwendigkeiten, die uns veranlas­sen, die Sanierung aller Liegenschaften durchzuführen», sagt Angelo Michetti. «Sicher verpflichtet dazu auch die Sorgfalt gegenüber dem Quartier.

Diese Sanierung ist be­stimmt ein Mehrwert für das Quartier. Wir haben es uns nicht leichtgemacht, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, weil wir wissen, wie teuer eine solche Sanierung ist. 15 – 20 Mio. sind für uns sehr viel Geld. Allerdings ist es uns das wert, um diese Liegenschaften in Stand zu stellen. Badgasse 4 und Bubenbergrain sind eigentlich immer noch im Urzustand von 1957, bezie­hungsweise 1967. Die beiden Häuser an der Schifflaube 50 und 52 wurden letztmalig 1979 renoviert.

Überraschungen werden nicht ausbleiben

«Was ist das Schlimmste, was bei dieser Sanierung ge­schehen könnte?»

«Wir haben gut zusammengearbeitet. Aber Überraschun­gen wird es immer geben. An der Schifflaube kann es schon sein, dass wir auf Unerwartetes stossen, weil es wirklich Altstadthäuser sind. Bei diesen weiss man nie im Voraus, was alles zu Tage kommen wird. Wir werden aber auch nicht einfach «voll chrüsch» loslegen, sondern laufend abwägen, was uns begegnet und wie wir darauf reagieren. Es soll grundsätzlich eine sanfte Renovation geben und so gehen wir etappenweise vorwärts», meint Angelo Michetti.

«Hattet ihr nicht den umgekehrten Weg geplant? Also zuerst beim Bowäger beginnen und dann bei der Schif­flaube abschliessen?»

«Ja, es war umgekehrt geplant. Wir haben dann umge­stellt und jetzt kommt die Schifflaube zuerst dran, dann die Badgasse 4, Bubenbergrain 23 + 21 und in einer letz­ten Etappe 15 + 17. Ganz am Schluss wird der Garten saniert. Es soll eine Anlage für alle Bewohner werden.» «Was ist das Ziel dieser Sanierung und wie wird das Ge­biet zwischen Bubenbergrain, Badgasse und Schifflaube danach aussehen?»

«Wir möchten einen Mix von Menschen, die sich in diesen Räumlichkeiten wohl fühlen. Es sollen sich nicht nur Doppelverdiener diese Wohnungen leisten können, sondern auch Familien mit Kindern und ältere Leute sol­len hier wohnen können. Leben und Qualität sind uns wichtig. Doch sind auch Büro- und Verkaufsräume ein­geplant.»

«Die Strukturen an der historischen Schifflaube bleiben in etwa gleich. Hier werden vor allem Nasszellen, Küche und Leitungen erneuert. Der eine oder andere Grundriss wird vergrössert, soweit das überhaupt möglich ist.

An der Badgasse 4 kann, da genügend Platz vorhanden ist, ein Lift eingebaut werden. Gerade für ältere Personen sicher kein Luxus. In allen Liegenschaften werden Nass­zellen, Strom-, Wasserleitungen saniert. Die sind doch schon ziemlich alt und dürften den heutigen Sicherheits­ansprüchen nicht mehr genügen.

Sanierung ja, aber keine Luxuswohnungen

«Es gibt doch Wohnungen, die wurden bereits saniert? Werdet ihr diese auch ganz neugestalten?»

«Dies wird überprüft. Es ist nicht so, dass einfach alles «blindlings» herausgerissen wird. Das wird von Fall zu Fall entschieden. Die Arbeiten sollen Sinn machen.

Es ist uns wichtig, dass wir Sorge tragen zur Substanz und nur das ändern, was nötig ist. Wie schon erwähnt wollen wir nicht mit dem Bulldozer durch die Liegenschaften fahren.»

«Werden die Wohnungen teurer? Luxuswohnungen?»

Franco Masina und Angelo Michetti lachen herzhaft. «Das haben wir auch schon gehört. Nein, es gibt keine Luxuswohnungen und keine teuren Wohnungen. Wir müssen die Mieten nach der Sanierung anpassen, wer­den aber plus minus kostendeckend vermieten und sicher werden die Wohnungen zahlbar sein. Ein Beispiel: eine 4 ½ Wohnung wird zwischen 2000. – 2500.- sein. Wir finden, dies sind nun wirklich keine überhöhten Preise für eine solche Lage. Die Vermietungsrichtlinien sind auf der Webseite aufgeschaltet.

«Was bedeutet die Sanierung für die Matte?»

«Es ist ein Beitrag von uns, zur Aufwertung und Berei­cherung des Mattequartiers. Wir glauben an die Zukunft des Quartiers und wollen lebenswerten und bezahlbaren Wohnraum schaffen.»

«Was ärgert Sie zurzeit am meisten?»

«Ungesunde Gerüchte», sagt Franco Masina spontan. «Alle Betroffenen können sich jederzeit informieren und nachfragen. Wir sind offen für Gespräche. Zahlreiche In­formationen finden die Fragesteller auf der Webseite der GBB. Die Pläne der einzelnen Wohnungen sind auf der Webseite www.gbgb.ch auf­geschaltet, ebenfalls die Kontaktdaten.

Wir machen die Häuser fit für die nächste Generation.

Vielen herzlichen Dank, Franco Masina (Präsident GBB) und Angelo Michetti (Architekt) für eure Bereitschaft und eure Zeit mir Red und Antwort zu stehen.