Der Berner Mattegucker

Mitwirkung zum Wasserbauplan «Gebietsschutz Quartiere an der Aare»

Anfangs 2015, genauer vom 15. Dezember 2014 bis am 6. März 2015, lief das Mitwirkungsverfahren zum Wasserbauplan. Die Mätteler sind von der geplanten Schutzmauer gegen das Hochwasser direkt betroffen. Im Rahmen dieser Mitwirkung fand ein gut besuchter Informationsanlass für die Bevölkerung statt. Es wurde ebenfalls eine «Sprechstunde» eingerichtet, wo die Projektverantwortlichen dem interessierten Publikum Red und Antwort standen. Zudem wurden die Pläne dem Vorstand des Matteleists vorgestellt. Nach Abschluss des Mitwirkungsverfahrens steht fest: Grundsätzliche Projektanpassungen sind nicht erforderlich. Die insgesamt 46 Eingaben und fast 300 Anregungen von Parteien, Quartiervereinigungen, Interessengruppen, Einzelpersonen und Firmen zeigen, dass das Projekt breite Akzeptanz geniesst. Die grösste Anpassung, die aufgrund der Mitwirkungsergebnisse erfolgen wird, betrifft die Materialwahl für den Bau der Hochwasserschutzmauer: Statt wie ursprünglich geplant aus Beton mit Sandsteinverkleidung, sollen die Mauern neu aus geschichteten Sandsteinblöcken gebaut werden. Diese Variante vermochte sowohl in städtebaulicher als auch aus denkmalpflegerischer Hinsicht besser zu überzeugen, zudem ist sie kostengünstiger.

Fast einstimmig begrüsst werden von den Mitwirkenden die geplanten Massnahmen im Mattequartier: Die projektierte Schutzmauer ist aufgrund eines Stadtratbeschlusses einen halben Meter tiefer als ursprünglich geplant. Um trotzdem einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten, sieht der Wasserbauplan zusätzlich mobile Massnahmen vor. Bei Hochwasser sollen auf der Mauerkrone Dammbalken angebracht werden. Die tiefere Mauer verringert die Auswirkungen auf das Stadtbild. Die Mitwirkung zeigt, dass die Bevölkerung dies zu schätzen weiss.

Der Gemeinderat hat die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün beauftragt, für den Wasserbauplan «Gebietsschutz Quartiere an der Aare» die behördliche Vorprüfung einzuleiten. Diese Vorprüfung startet im März 2016 und dauert voraussichtlich acht Monate. Die Angaben der Fachstellen von Kanton und Bund werden in einem Vorprüfungsbericht zusammengetragen, anschliessend wird das Projekt öffentlich aufgelegt; voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2017. Die Volksabstimmung über das Projekt und den Baukredit findet vermutlich 2018 statt, mit den Bauarbeiten kann frühestens 2019 begonnen werden.

Der Mitwirkungsbericht vom 8. Februar 2016 steht im Internet unter folgendem Link zur Verfügung: http://www.bern.ch

Mattenschwelle: Sanierungsarbeiten Schwellentisch

Baggerarbeiten an der AareschwelleIm Winter 2015/2016 ersetzte Energie Wasser Bern (EWB) die schadhaften oder vom Kiesabrieb zerstörten Bretter auf der Matteschwelle. Nachdem im Winter 2010/2011 der östliche Bereich saniert wurde, war nun der westliche Bereich zwischen Zähringer Grundablass und Inselischütze an der Reihe.

Dabei wurde das bestehende Befestigungssystem aus Holz durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzt und optimiert, die mittels Mikropfählen im Untergrund verankert wurde. Ziel ist ein effizienteres Auswechseln der schützenden Holzabdeckung und eine grössere Stabilität der Schwellenanlage unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Denkmalschutzes.

Führte die Aare viel Schwemmholz, kam es wiederholt vor, dass sich dieses zwischen dem Wasserschütz und der Betonplatte verfing, auf der das Schwellenhaus stand. Um den Wasserabfluss wieder zu gewährleisten, musste das Holz jeweils in aufwendiger und riskanter Handarbeit entfernt werden. Um dieses Problem endgültig lösen zu können und den Hochwasserschutz für das Mattequartier weiter zu optimieren, hat EWB das Schwellenhaus um rund 10 Meter nach hinten versetzt. Dadurch ist ein frei zugängliches Sammelbecken entstanden, aus welchem das Schwemmholz zukünftig gefahrenlos von der Aarstrasse aus mit dem Kran Kiesentnahme im Schwellenmätteli entfernt werden kann.

 Knapp am Hochwasser vorbei

Schwemmholz aus der Aare ziehenAm Sonntagabend, 8. Juni 2015 staute sich das Schwemmholz in der Matte. Nach starken Niederschlägen führte die Zulg für kurze Zeit bis zu 230m³ Wasser/Sekunde. Die Abflussmenge aus dem Thunersee betrug zu diesem Zeitpunkt ca. 350 m³, weshalb in Bern mit Hochwasser im Schadenbereich gerechnet werden musste. Die Berufsfeuerwehr begann mit dem Einbau von festen Sperrelementen. Weil mit viel Schwemmholz gerechnet werden musste, wurde ebenfalls der Kranwagen in das Matte-Quartier befohlen. Bald zeigte sich, dass das Schwemmholz die grösste Herausforderung darstellen würde, begann es sich doch im Tych bedrohlich zu sammeln. Dies hatte zur Folge, dass der Wasserpegel ständig anstieg und drohte, über die Absperrungen durch die Matte zu fliessen.

Mitarbeiter von Energie Wasser Bern begannen, gemeinsam mit Feuerwehrmännern, verkeiltes Schwemmholz bei den Schwellen zu entfernen, konnten aber wegen der grossen Mengen wenig ausrichten. Die Kantonspolizei sperrte die Schifflaube und sorgte dafür, dass abgestellte Fahrzeuge umparkiert wurden. Nach dem Eintreffen des Kranwagens waren die beiden mobilen Schwellenelemente rasch entfernt, worauf sich die Situation kurz vor Mitternacht rasch entschärfte.

Dasselbe Hochwasser mit so viel Schwemmholz hätte zehn Jahre früher vermutlich zu einer Überschwemmung geführt. Es zeigte sich, dass die inzwischen umgesetzten Massnahmen und eingespielte Abläufe funktionieren und von grosser Bedeutung sind.

Kiesentnahme im Schwellenmätteli

Kies baggern im AarebeckenVon Anfang Januar bis Mitte März 2016 wurden im Schwellenmätteli rund 50 000 Kubikmeter Kies ausgebaggert. Die Kiesentnahme führt dazu, dass die Aare bei hohem Wasserstand besser abfliessen kann. Die Quartiere Matte, Altenberg und Langmauer sind somit besser vor Hochwasser geschützt. Je rund 2000 Kubikmeter des entnommenen Kieses werden im Wylerholz und bei der ARA Worblental der Aare zurückgegeben, um dort die Flusssohle zu stabilisieren und deren ökologische Funktion zu gewährleisten.