Der Berner Mattegucker

Wege in die Matte – rundherum ist nicht schwer

Ein Bummel durch die Matte wird salonfähig. Besucherinnen und Besucher aus allen Ecken der Welt zieht es hinunter in das Mattequartier. Im Internet und Stadtführern werden die Vorzüge der Gassen und Lauben an der Aare angepriesen, die Verkehrsberuhigung hat das Quartier auch touristisch aufgewertet. An schönen Tagen flaniert man gerne zwischen Plattform und Bärengraben.

Kommt aber beim sonntäglichen Matte-Bummel eine durstige Seele auf die Idee, einkehren zu wollen, Fehlanzeige. Alle Restaurants sind geschlossen! Und so stehen jede und jeder bald einmal in der Badgasse und staunen zum Münster hoch und zur Münsterplattform. Dazwischen liegen harte 183 Stufen Matte-Treppe oder 31.5 Höhenmeter. Für weniger agile oder eher treppenfaule Zeitgenossen bietet der Mattelift einen schnellen und bequemen Aufstieg auf die lockende Münsterplattform mit der hübschen Parkanlage und das einladende Café «Einstein au jardin».

Doch Obacht, ohne juristische und rechnerische Talente wird der vermeintlich einfache Weg hinauf zum Garten Eden schnell zur überfordernden Denksportaufgabe. Denn gut eine Seite füllen die Tarifbestimmungen des Matte-Lifts. Zu den einfacheren Kunden gehören die Barzahler, die Besitzer einer Mehrfahrtenkarte oder eines Berner Libero-Abonnements. Doch dann ufern die Bestimmungen aus, Liftfahren wird zur Wissenschaft. Swisspass, Hotelticket, Generalabonnement, Kind mit Eltern und Jugendkarte, Velo oder Hund mit einer Schulterhöhe über 30 cm, weisse Kreditkarten der Seilbahnen Schweiz, was berechtigt zu einer freien Fahrt? Ausreichend Stoff zum Staunen und Wundern. Denn am Abend ist alles nochmals anders, nach Betriebsschluss des Mattelifts verkehrt eine Buslinie durch die Matte – mit eigenen Tarifbestimmungen.

Lieber Berchthold von Zähringen, vieles hat sich in deinem Bern des 12. Jahrhunderts geändert, über vieles müsstest du staunend den Kopf schütteln. Aber auf jeden Fall wiedererkennen würdest du die geistigen Irrgärten der Bürokraten. Lieber Herzog, wenn du wieder einmal in Bern vorbeikommst, könntest du bitte ein Wort einlegen, dass der Tarifwirrwarr des Mattelifts kundenfreundlicher wird? Die Mattebewohner, die auswärtigen Besucherinnen und Besucher, die Lädeli und auch die Gasthäuser würden es dir ewig danken.

Peter Maibach