Der Berner Mattegucker

Interview Erika Sidler

Erika Sidler - Interviewerinnen, Schülerinnen der 5./6. Klasse Sprachheilschule Matte.

Wie lange führen Sie die Töpferei?

Erika SidlerSeit ungefähr 3.5 Jahren. Wie viele Wochen haben Sie Ferien? Oh, manchmal mehr, mal weniger. Dieses Jahr werde ich drei Wochen im Sommer in die Ferien gehen und drei Wochen im August, weil ich noch eine weite Reise nach Canada unternehmen will. In welchem Alter haben Sie die Töpferei eröffnet? Das war vor drei Jahren, da war ich noch 57. Haben Sie auch schon Schulklassen in der Töpferei gehabt wie uns? Ja. Ich habe auch schon Schulklassen besucht und jetzt im Mai haben wir ein Projekt, wo die Schule zu mir kommt. Mit grösseren 9. Klässlern aus der Umgebung von Bern. Die machen drei Tage lang ein Projekt, je 18 Schüler morgens und abends.

Haben Sie ein bestimmtes Sortiment?

Kann man sagen. Ich habe nach alten Mustern hergestellte Keramik und mittelalterliche Keramik im Sortiment. Oder ich mache auch so archäologische Repliken, das heisst ich mache Nachbildungen von alten Funden. Wann müssen Sie viel arbeiten, wann wenig? Im Moment muss ich sehr viel arbeiten, weil ich noch einen Auftrag habe. Das ändert sich, je nach Auftrag. Wenn ich wenige Aufträge habe, dann mache ich mal einen Tag frei und sonst muss ich halt jeden Tag von morgens bis abends arbeiten.

Wie lernt man diesen Beruf?

Das ist eine Lehre. Heute dauert sie nur vier Jahre. Früher musste die Töpferin, die an der Scheibe arbeitet, eine dreijährige Ausbildung machen und die Malerin/der Maler ebenfalls. Neu gibt es eine vierjährige Ausbildung, in der beide Berufe zusammengenommen werden. Dann wird man Keramiker oder Keramikerin. Was ist wichtig, wenn man diesen Beruf lernen möchte? Also man wird nicht reich damit. Man kann nicht das grosse Geld verdienen. Die Liebe zum Produkt und Kreativität sind

wichtig. Dann ist es ein schöner Beruf. Wie viele Leute kommen jeden Tag? Das ist sehr unterschiedlich. Gestern hatte ich sehr viel Betrieb, mehrere Kunden haben etwas gekauft. Es gibt Tage, da kommt niemand rein oder dann gucken die Leute nur von der Strasse, aber kommen nicht herein. Das ist sehr unterschiedlich.

Wie lange brauchst du zum Beispiel für die Herstellung einer Tasse?

Das ist schwierig zu beantworten, weil man je nach Form oder Grösse ein bisschen länger hat. Man rechnet zum Beispiel für eine einfachere Form zum Drehen auf der Scheibe 5 bis 10 Minuten, je nach Grösse, und dann zum Abdrehen noch einmal vielleicht 5 Minuten. Die Malerei beansprucht sehr viel Zeit. Im Gesamten kommt man vielleicht ungefähr auf drei Stunden, bis das Gefäss fertig ist.

Und wie viel Stundenlohn berechnen Sie? Ich rechne einfach nach der Grösse des Aufwands. Mit der ganzen Malerei wird es teurer. Wenn es natürlich nur einfach bemalt werden soll oder überhaupt nicht, dann ist es auch billiger. Wie viel machen Sie in einer Stunde? In einer Stunde, da kann ich ganz unterschiedlich drehen. Es kommt auf die Form drauf an. Ein Vier-Dezi-Becher, wie dieser Schwarze dort zum Beispiel. Wenn das Material gut ist, dann mache ich 10 bis 14 von diesen in der Stunde. Aber dann arbeite ich auch schnell wie eine Maschine… Und bei kleineren geht es noch schneller. Bei den grösseren benötige ich mehr Zeit, bis sie zentriert sind und ich sie geformt habe. Aber so kleinere Gegenstände, wenn ich alles schön vorbereitet habe, den Ton schön abgewogen, beschnitten, dann kommt das auf 10 bis 20 Stück pro Stunde.

Herzlichen Dank für dieses Interview.

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