Der Berner Mattegucker

Schriftstellerin in Schulresidenz mit Dragica Rajcic

In Zusammenarbeit mit artlink Bern

Markus Baumann, artlinkEine Vielzahl von Texten, Interviews und Bildern dieser Sonderausgabe sind von Schülerinnen und Schülern der Sprachheilschule Bern verfasst und geknipst worden. Zu der Sonderausgabe ist es aus zwei Gründen gekommen: Die Sprachheilschule verlässt mit ihren rund 90 Kindern und Jugendlichen vom Kindergarten bis zur Oberstufe mit Beginn des neuen Schuljahres nach über zwanzig Jahren die Matte und startet im Berner Wankdorf in eine neue Ära. Der zweite Grund hat mit dem Projekt Schriftstellerin in Schulresidenz zu tun, das während des vergangenen Jahres in der Sprachheilschule stattgefunden hat. Die Schülerinnen und Schüler, ihre Lehrpersonen und auch einige Eltern produzierten im Rahmen des Projekts mit der Schriftstellerin Dragica Rajcic unzählige berührende, lustige, traurige, spannende, absurde und fantastische Geschichten - Hörspiele, Romane, Krimis und Märchen. Die Texte wurden an Elternabenden oder den Klassenkameraden präsentiert, in Form von Theatern gespielt, im Radio gelesen und einige finden sich nun an dieser Stelle, im Mattegucker, abgedruckt. Im Projekt Schriftstellerin in Schulresidenz ging es nicht um die korrekte Rechtschreibung. Ziel von Dragica Rajcics Vermittlungsarbeit war es, bei den Kindern die Freude am Geschichtenerzählen zu wecken und zu fördern. Geschichten erzählen kann man zu einem guten Teil lernen. Es braucht verschiedene Elemente, damit sie interessant werden: Es gibt Protagonisten, Konflikte und eine Entwicklung, welche sie lebendig, traurig oder spannend machen. Wer Geschichten erzählt, artikuliert sich und kommuniziert mit der Welt. Sich ausdrücken zu können fördert das Selbstbewusstsein. Es ist auch die Grundlage, seine eigenen Bedürfnisse zu formulieren, sich einzubringen und so teilhaben zu können in einem Klassenverband, in der Familie, aber auch in der Gesellschaft. Im Projekt konnten auch die Kleinsten mitmachen. In der ersten Klasse von Elisabeth Aebischer etwa erzählten Alessio, Davud, Jennifer, Jhosue, Kevin, Nicole, Niklas und Pascal der Schriftstellerin ihre Geschichten, welche diese niederschrieb. Bei der Präsentation der «Patsch-Geschichten» erlebten die Eltern eine Überraschung: Sie wurden von der Lehrerin und der Schriftstellerin nach vorne gebeten, wo sie die Geschichten ihrer Kinder vorlesen sollten. Die Eltern waren mindestens ebenso nervös wie ihre Kinder. Alle, auch jene, die gebrochen Deutsch sprechen, schafften die Herausforderung mit Bravour. Es war rührend zu beobachten, wie die Kinder sichtlich stolz auf ihre Eltern waren - und umgekehrt.

Kulturprojekte, umfangreiche erst recht -Schriftstellerin in Schulresidenz dauerte immerhin ein ganzes Jahr - bringen immer auch den gut eingespielten Alltag einer Schule durcheinander. Sie bringen eine gewisse (kreative) Unruhe in die Klassen- und das Lehrerzimmer. Sie können deshalb nur dann gelingen, wenn sich die Schule offen auf das Experiment einlässt. Dies erfordert Mut, den die Leiterin der Sprachheilschule Bern, Antoinette Jaun, aufbrachte und das Projekt von Beginn weg willkommen hiess. Dafür möchten wir ihr und allen Mitarbeiterinnen der Schule danken. Markus Baumann*

* Bild: Markus Baumann leitet bei artlink, Büro für Kulturkooperation, den Bereich Kunst für Kids (www.artlink.ch). Das Projekt Schriftstellerin in Schulresidenz ist in Zusammenarbeit mit der kroatischen Autorin Dragica Rajcic entwickelt worden. Es ist das Nachfolgeformat eines Pilotprojekts, das im Rahmen des Wettbewerbs tête-à-tête des Programms Bildung und Kultur des Kantons Bern ausgezeichnet wurde. Die Durchführung wurde möglich durch die Unterstützung von Swisslos, Kanton Bern, der Eidgenössischen Kommission für Migration EKM, der Ernst Göhner Stiftung sowie der Stanley Thomas Johnson Foundation.

Erste Klasse

Die erste Klasse

Gianna Grazioli, artlink

Gianna Grazioli, artlink