Der Berner Mattegucker

Auch mit einer 4 am Rücken: Spile fägt!

Im 41. Jahr seines Bestehens war auf dem Spielplatz Längmuur nichts von Midlife-Crisis zu spüren. Vielmehr blicken wir auf ein ereignisreiches und lebendiges Jahr zurück, ganz getreu unserem Motto «Spile fägt»!
Gut erholt und voll von Eindrücken vom Jubiläumsjahr 2013 startete der Spielplatz Längmuur ins 2014. Im Januar und Februar waren zwar Betriebsferien, aber die im Dezember aufgestellte Hockey-Arena wurde rege genutzt und war Schauplatz von emotionsgeladenen Matches.
Im März begann der reguläre Spili-Betrieb wieder. Ende Monat wurde der Winter mit der Verbrennung des «Wintermonsters» und einem passenden Monster-Zvieri vertrieben. Gross und Klein freute sich, die dem Zürcher «Böög» nachempfundene Figur verbrennen zu sehen. Während das Zürcher Vorbild in diesem Jahr mit einer kurzen Brenndauer von 7 Minuten 23 Sekunden einen sehr schönen Sommer voraussagte, brannte das Längmuur-Monster deutlich ausgiebiger. Noch lange Zeit später vergnügten sich einige Kinder damit, die letzte Glut erneut zu entfachen, was bezüglich Sommerwetter etwas nachdenklich stimmte und sich, wie wir unterdessen wissen, leider bewahrheiten sollte.

Rückkehr einer Bekannten

Neue im Leitertem, Zirkuskinder

Der Einzug des Frühling brachte einen Wechsel im fest angestellten Betreuungsteam: Anna Suter zog einer neuen Herausforderung entgegen, an ihrer Stelle konnte Claudia Moser Poffet angestellt werden. Claudia und der langjährige Mitarbeiter Tinu Flückiger sind seither das verantwortliche Team für die Spieloase im Herzen von Bern. Claudia ist auf dem Spili kein neues Gesicht: Sie war bereits ab Mitte der 90er Jahre für längere Zeit angestellt und leitete den Längmuur gemeinsam mit Tinu. In der Zwischenzeit hat sie den Spili in vielfacher Weise während einer Phase, in der sie vor allem «Familienfrau» war, mit Rat und Tat unterstützt. Die Neuanstellung war so gewissermassen ein Heimkommen.
Das neue und doch schon bewährte Längmuur-Team startete unterstützt von Zivildienstleistenden mit Vollgas in den Frühling: Auf dem Längmuur wurde die Seifenkisten-Werkstatt eingerichtet. Vorstand und Team Längmuur hatten sich stark dafür eingesetzt, dass das Seifenkistenrennen trotz Sparmassnahmen dank Spendengeldern auch 2014 auf dem Programm stand (vgl. Artikel Alexandra S. 32). Gross war die Freude, als dies gelang. Mit entsprechendem Eifer wurden auf dem Spili Kisten gebaut, es wurde gesägt, geschweisst, aufgefrischt, bemalt und ausprobiert. Noch bevor Ende April die Grossen Berner Renntage am nahe gelegenen Klösterlistutz stattfanden und die Längmuur-Baracke zur Seifenkisten-Garage umfunktioniert wurde, fand am Ostermontag das traditionelle «Osterzmorgen» statt. In gemütlichem Rahmen verspeisten Jung und Alt Rösti, Käse, Fleisch, Gonfibrötli… und natürlich Ostereier, nachdem die Kinder diese in den vielen Verstecken auf dem Areal gefunden und auf das Buffet gebracht hatten.

Die Spiel-Oase als Garten

«Alles neu macht der Mai» – diesem Spruch folgend stand zunächst eine Putzwoche an, wo mit vereinten Kräften Baracke und Aussenraum auf Hochglanz gebracht wurden. Ende Mai lud der Längmuur zu einer Naturwerkstatt: Während vier Tagen konnten die Kinder mithelfen, auf dem Spielplatz die von der Stadtgärtnerei zur Verfügung gestellten Erd-Gefässe zu bepflanzen. Damit es auch etwas zum Heimnehmen gab, konnten kleine Blumentöpfe dekoriert und eingesät oder bepflanzt werden. Das «Urban Gardening» Längmuur zeigte Erfolg: Auf dem Spielplatz wuchsen Tomaten, Erdbeeren, Salate, Basilikum, Kartoffeln, Minze und vieles mehr und wurden nach und nach verspeist.
Im Juni fand unser traditionelles Sommerfest statt. Dieses Jahr hatten wir – überraschenderweise, weil ganz entgegen der Tradition – wunderbar schönes Wetter. So konnte auch die beliebte Wasserrutsche am Hang in Betrieb genommen werden. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch von Pony Max, auf dem die Kinder begleitet von den beiden jungen Frauen, denen Max gehört, ausreiten konnten. Jugendliche waren dieses Jahr auch auf der Festbühne zu sehen: Ein Quartett aus dem Förderkurs der Jazzschule Bern erfreute die Festbesucherinnen und -besucher mit ihrer Musik und beeindruckten mit ihrem Können. Auch für die Fussballfans war dank «WM Public Viewing» mitten in der Kinderwerkstatt, gewissermassen zwischen Hammer und Säge, gesorgt.

Poolparty in der Kälte

Längumuur - Spielplatzszenen

Nach der Sommerpause (ohne echten Sommer, wie das Längmuur-Wintermonster klar vorausgesagt hatte) stand wieder die traditionelle Zirkuswoche auf dem Programm. Unter dem verführerischen Motto «Schlaraffenland» übten über 50 Kinder eine Woche lang Kunststücke ein und führten mit ihrem Programm an zwei Aufführungen Verwandte und Bekannte ins Land, wo Milch und Honig fliesst. Die Längmuur-Poolwoche – wen erstaunt es – litt dieses Jahr unter kaltem Wetter, einige verwegene Kinder vergnügten sich dennoch im eiskalten Wasser oder «chillten» eingehüllt in Badetücher schlotternd am Pool. Zum Glück gab es selbst gemachte Pizza zum Aufwärmen, so dass der Anlass auch für weniger robuste Besucherinnen und Besucher gemütlich verlief.
Der Höhepunkt des Längmuur-Herbstes war auch dieses Jahr die Chilbi: Eine Woche lang verwandelte sich der Spili in einen Rummelplatz mit vielen Attraktionen, so beispielweise einem «Tell-O-Apfel» mit Armbrustschiessstand und einer gruseligen Geisterbahn. Mit Zuckerwatte, Popcorn, Schlangenbrot, Crêpes, Kuchen, heissen Marroni und vielen anderen Köstlichkeiten war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Dass das Chilbigelände nicht nur an, sondern sogar auf der Aare lag, dafür sorgte der Aare Club Matte Bern, der sein Vereinslokal direkt neben dem Spielplatz hat: Unter kundiger Führung und mit Schwimmwesten gut geschützt durfte Gross und Klein eine Ausfahrt auf der Aare machen und zuweilen auch selber Hand anlegen beim Stacheln oder Rudern. Dieses Angebot war besonders beliebt und attraktiv. Die Mitglieder des Aare Club Matte Bern haben dafür einen riesigen Freiwilligeneinsatz geleistet – ein ganz herzliches Dankeschön an alle!

Licht im Herbst

Wiederum an und nicht auf der Aare spazierten wir am Räbeliechtliumzug, begleitet von Liedern und Gitarrenmusik. Das gemütliche Zusammensein auf dem mit Feuern und Fackeln erleuchteten Spili rundete den Anlass ab und war der Lohn für die kalten Finger beim Schnitzen der Rüben.
Wird auf dem Längmuur die Hockey-Arena aufgebaut, ist das ein untrügliches Zeigen dafür, dass sich der Jahreskreis bald schliesst. Die ersten Matches haben bereits stattgefunden, viele werden diesen Winter folgen. Im Dezember kommt noch der Samichlaus vorbei und die Baracke erfüllt sich mit Duft von Güetzi und Grittibänzen. Bald aber wird schon eingewintert und die Baracke wird bis im März nur an den Dienstagnachmittagen ein warmes Plätzchen zum Verweilen und ein Zvieri anbieten – ein grosses Merci der Freiwilligengruppe, die das möglich macht.
Auch in diesem Jahr konnte der Längmuur mit einer neuen Drehschaukel das Angebot an Spielgeräten ausbauen. Diese an sich erfreuliche Tatsache ist mit einem tragischen Ereignis verbunden. Das Geld für das neue Spielgerät stammt aus der Kollekte der Trauerfeier für Brigitte Schnegg, die im Frühjahr völlig überraschend verstorben ist. Brigitte Schnegg war dem Spielplatz als ehemalige Vereinspräsidentin und langjährige Förderin eng verbunden und wir haben ihr viel zu verdanken. Wir werden sie in dankbarer Erinnerung behalten.
Team und Vorstand Verein Spielplatz Längmuur

Und noch etwas:

Der Spielplatz Längmuur kommuniziert seit einiger Zeit aktiv auf Facebook. Dies gibt uns die Möglichkeit, in einem weiteren Medium auf aktuelle Anlässe hinzuweisen und über den Spili-Alltag zu berichten. Befreundet Euch!
www.facebook.com/spielplatzlaengmuur