Der Berner Mattegucker

Neu beim Matte-Lift: Hans Ruch

Ein neues Gesicht im Matte-Lift: Seit Mai 2009 begrüsst der aufgestellte, eigenwillige und kommunikative Hans Ruch seine Fahrgäste im Senkeltram.

Ruch, mit Jahrgang 1945 wurde in der Nähe von Bern geboren.

Heute lebt mit seiner Frau in Schüpfen.

Hans Ruch arbeitete 37 Jahre im kaufmännischen Bereich in einer Autogarage in Ostermundigen. Im September 2007 wurde er arbeitslos. «Ich will Ihnen erzählen, wieso ich arbeitslos wurde», sagt er bestimmt.

«Der Inhaber der Autogarage war - altersbedingt - auf der Suche nach einem Nachfolger, blieb allerdings erfolglos.

So musste er die Garage schweren Herzens schliessen. Ich wusste dies schon länger und trotzdem hatte ich Mühe, als es dann im September 2007 traurige Tatsache wurde. Auch wenn man Zeit hat, sich darauf vorzubereiten, es schmerzt trotzdem, nach so vielen Jahren nicht mehr im geliebten Betrieb arbeiten zu können. Die Garage ist weg, jetzt ist eine Weinhandlung in den Geschäftsräumen», meint Ruch wehmütig.

«Wie kamen Sie zum Mattelift?»

«Heiri Münger kannte meine berufliche Situation und wusste, dass ich mit 62 ohne Arbeitsplatz da stand. Er kam Ende 2008 auf mich zu und eröffnete, dass er Ende April 2009 beim Mattelift aufhören wolle.

Hans Ruch

«Komm doch einfach vorbei, denn das wird dir gefallen.  Die unterschiedlichen Menschen dürften für dich kein Problem und zudem eine neue Herausforderung sein.» So machte er mir diesen Job «gluschtig» Ich konnte mich mit dem Lift probehalber vertraut machen und nun habe ich einen herrlichen Arbeitsplatz, mit Aussicht in einem Panoramalift und mit jeder Schikane», sagt er scherzend.

«Was mir schon beim «Probefahren» sofort aufgefallen ist, ist, dass man hier ebenfalls Beziehungen aufbauen kann.  Ich war restlos begeistert und Heiri Münger legte ein gutes Wort für mich ein. Ich stellte mich bei Thomas Zimmermann vor und habe den Job bekommen. Ich fühle mich wohl und mir gefällt es sehr. Eine spezielle Aufgabe ist es schon. Ältere Leute suchen das Gespräch und das macht mir Freude. Ich mag die Menschen. Einzig mit ungepflegten Menschen habe ich etwas Mühe aber sonst ist es wirklich kein Problem.» Nachdenklich schaut Hans Ruch mich an. Er schaut mir zu, wie ich seine Worte in den Computer tippe. Seine Augen sind wach und neugierig.

«Welche Gäste mögen Sie am liebsten?», hake ich nach. Er schaut mich überrascht an. Ich mag Kinder sehr gerne. Ich mag Kinder, weil sie so wissbegierig sind. Ich mag aber auch die Schülerinnen und Schüler. Sie sind wirklich sehr freundlich und ich habe auch noch nie den Eindruck gehabt, dass sie mich «beklauen» wollten. Ferner liebe ich Menschen, die Humor haben. Eine kleine Geschichte dazu:

Kürzlich kamen fünf Männer, piccobello in Anzug und Krawatte in den Lift. Einer bezahlte für alle.

«Wie viel kostet es, wenn ich für alle bezahle?», meinte er lachend.

«Sechs Franken, wenn Sie bar bezahlen!»

«Das ist aber doch ein bisschen teuer?», blödelte der eine weiter.

«Wenn Sie nicht in Schale gekommen wären, wäre es wohl ein bisschengünstiger gewesen.»

Er sah mich schelmisch an und gab mir sieben Franken.

«Der eine Franken gehört Ihnen.»Vergnügt stiegen die fünf Männer oben bei der Plattform aus.

Hans Ruch ist ein offener, ehrlicher Mensch. Er geht auf Menschen zu und mag auch einen Spass machen. «Früher war ich eher verschlossen», wendet er ein.

«Was macht denn der Hans Ruch sonst noch?»

Hans Ruch ist ein Fussballfan. «Früher war ich selber aktiv und habe in der 2. Liga bei Ostermundigen gespielt. Später trainierte ich Junioren und Senioren. Aktiver Fussballer bin ich jetzt nicht mehr. Ich schaue lieber Fussball im TV. Fan bin ich wie «jeder Berner» von YB und hoffe, dass sie irgendwann Meister werden.»

«Wenn nur der FCZ nicht wäre», necke ich ihn als alte «ZFanin». Wir lachen.

«Im Herbst gehe ich jeweils «i d Schwümm» (Pilze suchen) in Frienisberg in der Nähe von Meikirch. Manchmal kommt meine Frau mit. Aber oft gehe ich auch alleine. Ich kenne mich in diesem Gebiet gut aus und so gehe ich eben gerne dorthin. Ich liebe die Natur und den Wald und wenn ich dann auf eine «Blüti» stosse (eine Ansammlung von Pilzen), dann schlägt mein Herz höher. Die Pilze, die ich nicht kenne, nehme ich nicht und lasse sie sein. Ich gehe kein Risiko ein. Mit den frischen Pilzen koche ich Risotto. Seit ich mehr Zeit habe, koche ich auch mehr.»

Nochmals zurück zum Mattelift. «Der Mattelift ist für mich sehr wichtig und ich komme gerne zur Arbeit. Ich könnte es als Hobby bezeichnen. Für mich ist das Berufsleben abgeschlossen und ab Mai 2010 bekomme ich die AHV. Ich komme dann genau so gerne als Rentner zum Mattelift.» «Was ist für Sie speziell bei ihrer Arbeit?» «Wenn ich die alte Kasse hervornehme, dann bin ich in den fünfziger Jahren, denn die Kasse stammt aus dieser Zeit. Ich habe glaube ich einer der ältesten Kassen und dies finde ich gut für mich. Ich musste mich umgewöhnen, denn ich hatte ich doch mit moderneren Kassen gearbeitet», sagt Hans Ruch augenzwinkernd.

«Was gefällt ihnen nicht bei ihrer Arbeit?»

«Dass Zigarettenstummel herumliegen, obwohl es Aschenbecher bei der Talstation und auf der Münsterplattform gibt. Wir müssen den Dreck wegräumen und den Lift am Abend sauber verlassen, auch die Umgebung. Was ich auch nicht mag, ist, wenn Menschen Flaschen über die Plattform hinaus werfen. Als ich am 2. August zur Arbeit erschien, sah ich dass einige Weinflaschen unten in der Badgasse in Scherben am Boden lagen. Ich finde es schon eine Schweinerei und ich würde mir wünschen, dass die Menschen etwas mehr Sorge zum Gut anderer tragen würden.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Nachtbuben und - mädchen nicht viel studieren. Aber lassen wir das, denn mehrheitlich gefällt es mir sehr hier. Ich habe meinen Traumjob gefunden.

Nach diesen Worten spazieren wir zum Mattelift, um Hans Ruch vor der Kamera in rechte Licht zu rücken.

Wir wünschen Ihnen viele schöne Fahrten zwischen Plattform und Matte.

Rosmarie Bernasconi