Der Berner Mattegucker

Berchtoldshaus: Ds Mameli Zehnder geht in Pension

Das Berchtoldshaus und Anita Zehnder sind eine Matte-Institution. Bereits in den Jahren 1973 bis 1979, als ihre Schwiegermutter das Kirchgemeindehaus an der Ecke Mattenenge – Untertorbrücke als Hauswartin betreute, über Anita Zehnder Ferienablösungen. So lag es nahe, dass sie als Nachfolgerin am 1.1.1980 die Stelle übernahm.
Wer an das Berchtoldshaus denkt, denkt automatisch an Anita Zehnder. Frau Zehnder da, Frau Zehnder dort, Frau Zehnder weiss Bescheid, sie hat das Berchtoldshaus fest im Griff. Anita Zehnder ist am 26.10.1943 in Bern geboren und im Breitenrainquartier aufgewachsen. Bereits 1961 zog sie nach der Heirat in die Matte. Ihr Mann ist ein waschechter Mätteler, der hier unten auch die Schule besuchte. Die Familie mit ihren beiden Söhnen lebte gleich neben dem Berchtoldshaus.

«Was machst du, wenn du nicht im Berchtoldshaus bist?»

Anita Zehnder«Seit 1987 haben wir im Eymatt einen Garten von 200 m2. Stell dir vor, das gibt schlicht weg viel zu tun. Bis jetzt hatte ich tatsächlich zu wenig Zeit, um im Garten zu arbeiten. Mein Mann ist froh, wenn ich nun mehr dort anzutreffen bin, denn oft musste er sich mir anpassen, weil eine Veranstaltung im Berchtoldshaus dazwischen kam. Ich hatte nie genügend Zeit, es so zu machen, wie ich es gerne gehabt hätte. Jetzt kann ich es so einrichten, wie ich will.»
«Ist es für dich der richtige Zeitpunkt aufzuhören?», will ich wissen.
«Für mich ist es nun der rechte Zeitpunkt aufzuhören, denn in einem Jahr wird sich so oder so einiges ändern. Klar, wenn es weiter laufen würde, würde es mir vermutlich mehr Mühe machen aber so … nein es ist gut, wie es ist», sagt sie mit Nachdruck. «Ich habe von mir aus zwei Jahre länger gearbeitet. Ich hätte schon vor zwei Jahren in Pension gehen können. Klar, das wollte ich noch nicht – es war mir wichtig, diese Zeit noch zu haben – aber jetzt …»

«Was hat dich in der Matte geprägt?»

«Für mich war es wichtig, dass die Mattevereine auch im Berchtoldshaus Platz finden würden. Vermutlich dachten die Mätteler und Mättelerinnen, dass es ein heiliges Haus sei und sie deshalb nicht hinein dürften. Mir war es ein Anliegen, dass das Haus lebendig wurde. Ich begann mit Züpfe backe, Brötli herstellen und Vereine zu bewirten.» Während Anita dies erzählt beginnen ihre Augen zu leuchten, denn da ist sie in ihrem Element.
«Hättest du das letzte Jahr gerne noch gemacht?», frage ich unvermittelt.
«Teils teils – manchmal ist es mir egal – und dann doch wieder nicht. Ich habe eben zu dem Haus geschaut wie eine Gluckere und so ist es nicht ganz einfach wirklich loszulassen und zu gehen. Allerdings, ist es nun an der Zeit, dass ich gehe. Ich war viel im Berchtoldshaus.» Anita Zehnder wird wehmütig und schaut sich in "ihrer" Küche um.
«Was hat sich in den 29 Jahren verändert und was würdest du anders machen?»
«Ich würde nichts verändern. Anders als früher, habe ich heute mehr Kontakt zu den Menschen und auch zu den Vereinen und das gefällt mir sehr. Wir haben verschiedene Anlässe, denn im Haus ist es lebendiger geworden. Matteweihnacht, Hauptversammlungen, Ausstellungen und vieles mehr auch Geburtstagsfeiern wurden hier organisiert. Die Buchpremiere von Hedi Blank, vom Matteänglischclub war ein voller Erfolg. Während dem Hochwasser 2005 wurden die Helfer und Helferinnen im Berchtoldshaus bewirtet. Also du siehst es läuft einiges. Für Mattevereine ist das Berchtoldshaus gratis und das finde ich gut so», sagt sie bestimmt. «Wie es weitergeht – eben – das geht mich dann nichts mehr an», sagt sie fast trotzig.

«Was wird aus dem Berchtoldshaus?»

«Tja das wird sich zeigen. Es gab schon verschiedene Interessenten, aber wie es weiter geht …?
«Was machst du am 1.1.2009?»
«So sicher wie das Amen in der Kirche werde ich ausruhen und über alles nachdenken, was in den letzten Jahren geschehen ist.
«Da wirst du viel Zeit brauchen», sage ich lachend.
«Soviel Zeit habe ich dann auch wieder nicht.»

«Was wirst du vermissen?»

«Es gab viele Menschen, die hier ein und ausgingen und oft hörte ich «Ah ds Mameli Zehnder isch o da» dies freute mich sehr und manchmal wechselte man mit ihnen ein paar Worte, bevor sie ihre Anlässe im Haus besuchten. Klar, die vielen Menschen, werde ich sicher vermissen.»
«Wie würdest du dich beschreiben?»
«Also, wenn ich daran denke, dass viele Leute am Berchtoldshaus vorbeilaufen und wüssten, was für eine "verrückte Hauswartin" da drinnen ist, ich glaube da würde der eine oder andere sicher hereinkommen.»
Wir lachen beide lauthals.
«Ich bin ein Mensch der gerne auf andere zugeht und mit ihnen spricht. Ich mag keine "Mürggel". Gerne habe ich auch Leute, die zu mir an den Küchentisch sitzen und wir Zeit für ein Gespräch finden.»
Ich freue mich auf das Zusammensein mit meinem Mann. Jetzt können wir mehr Zeit im Garten verbringen und ich muss nicht nach Hause "jufle". Wenn ich es mir so überlege, hat es schon auch viele angenehme Seiten, dass ich nun mehr Zeit für anderes habe.» Anita Zehnder ist nachdenklich geworden.
Die Arbeit von Anita Zehnder wird geschätzt. Ihr Herz gehört wohl auch nach ihrer Pensionierung dem Berchtoldshaus. Für sie war und ist es wichtig, dass das «Geben und Nehmen» im Einklang ist. Sie ist grosszügig und ich glaube im Berchtoldshaus ist nie jemand zu kurz gekommen. «Ich will es einfach gut machen.» So plant sie Anlässe minutiös. Ihre legendären Brötli sind weit herum berühmt und wenn es viele braucht, hat sie Rosmarie Schwab, Rosmarie Meister und Erna Hofstettler zu ihrer Seite, die ihr jeweils an grösseren Anlässen helfen.

Und die Redaktorin meint: Ich habe die Frauen oft in der Küche angetroffen, wie sie nach getaner Arbeit gemütlich zusammen sassen und froh waren, dass alles so gut geklappt hat. Oft nahmen sie mich auch am Arm und zeigten mir die Brötli, die in einem andern Raum fein säuberlich in Reih und Glied auf dem Tisch lagen. Lecker sah es aus – und die Gäste waren mehr als zufrieden, mit dem, was die Frauen auf den Tisch gezaubert hatten. Oder ein andermal durfte ich die Kochkünste von Frau Zehnder geniessen, als ich mit einer kleinen Gruppe an einem kleinen «Dankesfest» dabei sein durfte. Oder, aber wer kennt, sie nicht, die kleinen feinen Sandwiches, die es jeweils bei den Leistversammlungen gab.

Anita Zehnder, eine eigenwillige Persönlichkeit, geht in den verdienten Ruhestand, den wir ihr sicher alle von Herzen gönnen.


Rosmarie Bernasconi