Der Berner Mattegucker

Mattekinder: 5:2 für ihr Quartier

 Die Kita, der Bach und Frau Meister

Wie ist es, in der Matte Kinder zu haben? Es gibt viele schöne Seiten, und einen gewichtigen Grund, sich Sorgen zu machen. Eine subjektive Auflistung von Simon Jäggi.

1:0 – Spielplatz Längmuur

Die Nähe zum schönsten Spielplatz der Stadt ist ein riesiges Plus. Ein Ort, wo man laut sein kann, alles anfassen darf, wenig vorgekaut wird und selbst die Eltern wieder zu Kindern werden.

2:0 – Mattebach

Durch welches andere Quartier fliesst ein Bach, in dem die Kinder im Sommer die Füsse reinhalten und Schiffchen schwimmen lassen können?

3:0 – Senkeltram

Auch das hat kein anderer Stadtteil: Einen solch spektakulären Lift, in dem der freundliche Liftboy den Kindern noch ein Billett in die Hand drückt. Kleiner Wermutstropfen: Leider sind nicht ganz alle Liftboys kinderfreundlich.

4:0 – Kita und Kindergarten

Dass das vergleichsweise kleine Quartier über eine grosse Kita verfügt, ist ein riesiger Vorteil. In der Länggasse oder Lorraine einen Kita-Platz zu kriegen, ist eine Geduldsübung. Ich kenne Frauen, die zwei Jahre gegen ihren Willen zuhause bleiben mussten, weil sie keinen Kita-Platz fanden. Solche Geschichten kennt man in der Matte nicht. Zudem verfügt die Kita über tolle Betreuerinnen und Betreuer, denen man mit gutem Gefühl die Kinder anvertraut. Ideal ist auch, dass der Kindergarten gleich bei der Kita steht. So können die Kindergärteler selber zu Fuss zwischen Kita und «Chindschi» hin und her wechseln.

4:1 – Enge Verhältnisse in der Matte-Schule

Auch dass die Matte über ein eigenes Schulhaus verfügt, kann man froh sein. Nur herrschen leider arge Platzprobleme. Das führt dazu, dass derzeit die Schüler bereits ab der vierten Klasse ins Bitzius-Schulhaus müssen. Aber wie man schon aus Astrid Lindgrens «Kinder von Bullerbü» weiss: Lange Schulwege können für die Kinder auch ganz lustig sein. Gut unterrichte Quellen berichten, dass für die Kinder nicht der Weg das Problem sei, sondern dass sich die Vierteler von ihrer lieben Lehrerin hätten trennen müssen. Über zu wenig Raum verfügt auch die Tagesschule, gerade den kleineren Kindern fehlen so Rückzugsmöglichkeiten. Zum Glück sollen sich die Platzprobleme in den nächsten Jahren lösen, da die Sprachheilschule aus der Matte wegzieht.

5:1 – Frau Meister

Die Matte ist ein Dorf in der Stadt. Läuft man zur Post, trifft man bestimmt irgendjemand, den man kennt. Man grüsst oder vielleicht hält man kurz einen Schwatz. Zum Beispiel mit der lieben Frau Meister. In einer solchen Umgebung aufzuwachsen, ist für Stadtkinder wunderbar.

5:2 – Verkehr

Eigentlich müsste der Verkehr sogar zwei oder drei Minuspunkte geben. Das Problem ist derart virulent, dass es für Familien ein echter Grund sein kann, wegzuziehen. Der tragische Unfalltod von Lily ist nicht vergessen. Der Poller, der im Frühling 2014 endlich ausgefahren wird, bringt hoffentlich Linderung. Wer am Abend durch den Altenberg geht, bekommt vorgeführt, wie es in der Matte aussehen könnte: Kinder fahren mit ihren Velöli auf der Strasse rum, die Eltern sitzen zusammen, trinken ein Glas – man wähnt sich südlich der Alpen. Das Verkehrsproblem wird mit dem Poller aber wahrscheinlich nicht verschwinden: Da er zwischen 9 und 17 Uhr eingefahren wird, unterbindet er den Mittagsverkehr nicht – zu jener Zeit also, zu der die Kinder nach Hause laufen oder über den Fussgängerstreifen beim Matte-Schulhaus müssen. Meine Hoffnung ist, dass der Poller irgendwann den ganzen Tag oben bleibt. Es würde die Matte endgültig zu einem kleinen Paradies für Kinder und Familien werden lassen.

kinder kita

Was gefällt Matte-Kindern an ihrem Quartier?

Klara, 5

An der Matte gefallen mir die Häuser, weil sie so farbig sind. Das Lustigste an der Matte ist Aila, meine Freundin. Sie macht immer soviel Theater. Ich spiele manchmal bei ihr zuhause, manchmal spielt sie bei mir. Ich laufe einfach durch den Garten, dann die Treppe hoch, dann bin ich bei Aila, das darf ich ganz alleine. Lean ist auch lustig, der wohnt auch gleich neben mir. Der Schuli ist der beste Ort, dort kann man schutten. Am liebsten klettere ich. Es ist gäbig zum Klettern, es hat soviele Netze und es ist neu gemacht. Ich gehe in der Matte am liebsten auf den Längmuur, vor allem wenn Chilbi ist. Das Matte-Lädeli ist auch cool, weil man dort ein Drinkli nehmen kann.

Michael, 8, und Daniel, 6

M: An der Matte gefällt mir, dass viele Freunde da sind. Der Sportplatz ist super zum schutten und Fangnis spielen. Die Matte-Schule macht Spass, man kann viel lernen und sieht die Kollegen, die Lehrerinnen sind nett. Ich finde es cool, dass man im Bach plantschen und Krebsli fangen und wieder reintun kann. Der Buchladen gefällt mir auch, weil es dort Bücher und Kerzen hat.
D: Mir auch. Und dass bei uns vis à vis der Bärenpark ist und die Bären rumlaufen.
M: Auch der Längmuur, der ist nicht ganz in der Matte. Aber man kann dort fast alles machen.
D: Und es gibt z’Vieri.
M: In der Matte gibt es liebe Leute. Die sammeln für uns die Sachen aus der Migros, weil wir nicht dorthin gehen.
D: Und im Mühlirad gibt uns Luty immer eine Glace.

Aila, 5

Am besten gefällt mir der Spieli da unten, der gehört eigentlich der Sprachheilschule. Man kann dort auf ein Haus klettern. Schutten kann man auch. Ich spiele auch gerne im Garten, dort kann man Versteckis spielen. Und man kann Himbeeri aus den Gärten schnousen.

 

Anm. Redaktion: Simon Jäggi ist Familienvater lebt in der Matte und ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Naturhistorischen Museum in Bern, www.nmbe.ch